Sebastian Kurz ist 31 Jahre alt und wahrscheinlich bald Kanzler Österreichs. Seine konservative Partei ÖVP ist bei der Parlamentswahl die stärkste Kraft geworden. Jetzt kann er sich den Regierungspartner aussuchen, rechts oder links von ihm. 

Sebastian Kurz will weg von einer Neuauflage der schwarz-roten Koalition, er wird wahrscheinlich eine schwarz-blaue Koalition mit der FPÖ bilden. Kurz hat es geschafft, die ÖVP in eine Liste Sebastian Kurz umzuwandeln, sagt Andrea Beer, Deutschlandfunk-Korrespondentin in Wien. 

"Er ist sehr glaubwürdig gewesen, hat einen guten Wahlkampf gemacht und keine Fehler - im Gegensatz zu den Sozialdemokraten."
Andrea Beer, Korrespondentin in Wien

Sebastian Kurz hat viele Wahlstimmen auf dem Land geholt. Und er hat besonders bei jungen Wählern und Frauen gepunktet, die sonst weniger konservativ wählen. Und er hat mehrheitsfähige Positionen besetzt, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik, wo er für eine Begrenzung der Migration steht.  


Heute (16.10.2017) werden noch die Briefwahlstimmen ausgezählt, danach steht fest, wer die zweitstärkste Partei ist: die rechtspopulistische FPÖ oder die Sozialdemokraten von der SPÖ. Nach dem Stand von Sonntag Abend ist die SPÖ noch auf Platz zwei, aber die FPÖ hat bereits 5,5 Prozentpunkte dazu gewonnen. 

FPÖ auf Aufholjagd

Insgesamt haben nach bisherigen Stand der Stimmen 58 Prozent der Wähler in Österreich entweder die FPÖ oder die ÖVP gewählt haben. Bislang gingen deren Gewinne immer auf Kosten der jeweils anderen Partei. Diesmal haben beide Parteien profitiert, das ist neu. Heinz-Christian Strache von der FPÖ ist jetzt einer Regierungsbeteiligung so nah wie nie. 

"Die Freiheitlichen werden jetzt darauf drängen, den Innenminister oder den Außenminister zu besetzen, oder beide. Eigentlich fast unmöglich ihnen das zu geben."
Andrea Beer, Korrespondentin in Wien

Sebastian Kurz hat sich rechts positioniert, aber von noch weiter rechts wird er jetzt großen Druck bekommen: Die FPÖ will einen Nord-Euro und lehnt eine europäische Asylpolitik ab. Sie will sich den Visegrád-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) anlehnen und bezweifelt die Klimaerwärmung durch den Menschen. 

Im Jahr 2000 hatte es in Österreich schon mal eine rechtskonservative Regierung gegeben – und einen großen Aufschrei in Europa. Jetzt hat sich die Sicht darauf in ganz Europa gewandelt und es wird kein großer internationaler Protest erwartet, sollte es zu schwarz-blau kommen.

"Viele sagen, das Jahr 2000 war der Tabubruch. Seitdem ging es immer weiter nach rechts. Ich glaube, es wird trotzdem Proteste in Österreich geben.“
Andrea Beer, Korrespondentin in Wien

Mit 26 Außenminister, mit 31 Kanzler: Kurz im Portrait

Clemens Verenkotte, Korrespondent in Wien
"'Jetzt oder nie' lautet einer der Slogans auf seinen Wahlkampfplakaten. Seine Partei hat sich ihm völlig untergeordnet. Jetzt muss Sebastian Kurz liefern."