Gut 30 Jahre lang war er das Maß aller Dinge beim Musikhören. Doch der CD-Player steht in vielen Wohnzimmern wohl nur noch aus nostalgischen Gründen. Innerhalb von zehn Jahren hat das Musikstreaming ihn verzichtbar gemacht.

Der Marktanteil der Streamingdienste liegt inzwischen bei mehr als 80 Prozent. Die Verkäufe physischer Tonträger wie CD, DVD oder Vinyl sowie Musik-Downloads auf die Festplatte landen bei nur noch jeweils 9 Prozent. Diese Zahlen hat die Recording Industry Association of America zum Jahreswechsel veröffentlicht.

"Wenn man einen Blick auf die Daten wirft, ist die CD bald endgültig tot."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter
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Innerhalb eines Jahrzehnts wurde die komplette Branche auf den Kopf gestellt, sagt unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll: 2010 waren es noch 7 Prozent Streaming und mehr als 50 Prozent physische Tonträger. Die Zahl der Streaming-Abos in den USA ist in dieser Zeit geradezu explodiert: von 1,5 Millionen im Jahr 2010 auf mehr als 60 Millionen Ende 2019.

Rasante Entwicklung

Unumstritten ist der Siegeszug des Streamings aber nicht: Viele Musiker haben öffentlichkeitswirksam dagegen protestiert. Taylor Swift zum Beispiel hatte im November 2014 ihre Alben von Spotify und anderen Diensten entfernen lassen und voll auf den CD-Verkauf gesetzt. Nach gut zweieinhalb Jahren kehrte sie dann aber zu Spotify und Co. zurück. Sie hatte ihre Manager aber vorher verhandeln lassen, dass ihre Alben eine Zeit nur für neue Abokunden hörbar werden und nicht in der Gratisversion.

Deutschland hinkt hinterher

In Deutschland geht die Entwicklung in dieselbe Richtung, verläuft aber etwas langsamer. Bei uns liegt der Markanteil des Streamings bei etwas mehr als 50 Prozent, die CD-Verkäufe bei immerhin noch fast 30 Prozent. Das Ganze sei aber nur eine Frage der Zeit, sagt Andreas Noll.

"Keine Frage: In zwei bis drei Jahren haben wir beim Streaming auch in Deutschland amerikanische Verhältnisse."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Aber was kommt nach dem Streaming? Gibt es überhaupt noch etwas danach oder ist das Ende der Entwicklung bereits erreicht? Wenn man das Ganze aus Klimaschutzsicht betrachtet, wäre zu hoffen, dass dem nicht so ist, sagt unser Reporter. Denn laut einer Studie von Forscherinnen und Forschern der Universitäten Oslo und Glasgow produziert das Musikstreaming in den USA jedes Jahr rund 200 Millionen Kilogramm CO2. CDs und Platten kommen immerhin auf ein Drittel weniger.

Mehr Algorithmen und KI

Technisch gesehen ist Streaming sehr praktisch und die persönliche Musiksammlung nahezu unbegrenzt. Was in Zukunft noch zunehmen wird, ist die Einbindung von Algorithmen und künstlicher Intelligenz, glaubt unser Netzreporter. Mit Hilfe von Standortdaten, Infos aus Fitnessapps etc. spielt die App Endel dem Nutzer zum Beispiel passende Musik vor, die sie selbst zusammenstellt und komponiert: Geräusche aus der Natur sowie leise minimalistische Melodien aus wenigen Tönen. Bisher ist das Ganze vor allem zum Entspannen gedacht.