Der Neurowissenschaftler Stefan Kölsch stellt Beispiele vor, die die Wirkkraft der Musik belegen. Er erklärt, wie wir uns mit Musik besser fühlen können.

Die richtig Musik zur Stimmung aussuchen, so denken viele. Wenn sie traurig sind, dann suchen sie sich traurige Musik aus, sagt Neurowissenschaftler Stefan Kölsch. Er empfiehlt stattdessen die Musik zu hören, die zu der Stimmung passt, in die Menschen kommen wollen. Wenn Stefan Kölsch zum Beispiel Sport machen möchte, dann hört er Musik, die ihn vitalisiert und ermuntert.

"Ganz einfacher Tipp: Hört lieber Musik, die zu der Stimmung passt, in die ihr kommen wollt."
Neurowissenschaftler Stefan Kölsch über Musikauswahl

Musik kann an das Sprach- und Denksystem auch Störsignale senden. Sie hat aber gleichzeitig auch positive Effekte darauf. Bei Stefan Kölsch überwiegen die positiven, so dass er sich mit der barocken Musik von Johann Sebastian Bach gut konzentrieren kann.

"Beim Schreiben des Buches habe ich fast die ganze Zeit Bach gehört, weil die Musik für mich etwas ganz Klares hat. Da kann ich klarer und strukturierter dabei denken."
Neurowissenschaftler Stefan Kölsch über Musikauswahl für bestimmte Situationen

Damit will er auch Eltern die Sorge nehmen, wenn ihre Kinder beim Hausaufgaben machen Musik hören. Denn meistens haben Schüler keine Lust darauf. Mit der Musik werden sie wenigstens ein bisschen ermutigt und kommen dadurch in die Stimmung, in der sie sich überwinden können, sie doch zu erledigen. "Dann ist es doch nützlich, in der Situation Musik zu hören", sagt Stefan Kölsch.

Erforschung der Effekte von Musik

Darüber hinaus beeinflusst Musik nicht nur unsere Stimmung, sondern auch unser Denken, erklärt der Neurowissenschaftler. "Es gibt nicht nur emotionale, es gibt auch mentale Effekte durch die Musik".

"Ich bin jemand, der lieber positiv klingende Musik hört. Ich brauche Musik nicht, um mich auszuheulen."
Hirnforscher Stefan Kölsch über seine Musikvorliebe

In seinem Buch "Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik" stellt Stefan Kölsch den aktuellen Forschungsstand zu Musik und Neurowissenschaft vor. Er beschreibt Experimente, Studien und Beispiele, die zeigen, wie die Musik Einfluss auf unsere Gefühle, unser Denken und auch auf unsere Gesundheit nimmt.

Stefan Kölsch ist Professor für biologische und medizinische Psychologie an der Universität Bergen in Norwegen. Außerdem hat er Musik und Soziologie studiert. In Psychologie und Neurowissenschaften hat er promoviert.

"Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik" von Stefan Kölsch, erschienen im Ullstein Buchverlage am 15. April 2019, 384 Seiten.