Die Musikerin Kate Stables ist Britin, lebt aber seit 15 Jahren in Paris. Bisher war das nie ein Problem. Für Bandproben flog sie nach Wales und für Konzerte tourten sie durch ganz Europa. Seit dem Brexit ist für sie und ihre Band aber alles kompliziert geworden.

Normalerweise würde Kate Stables zurzeit an ihrem Schreibtisch in ihrer Pariser Wohnung sitzen und für ihr musikalisches Alter Ego This is the Kit Songs schreiben. Seit dem Brexit ist sie jedoch häufiger mit dem Ausfüllen und Beantragen von Formularen und Dokumenten beschäftigt, die bestätigen sollen, dass sie als Britin in Frankreich leben und arbeiten darf.

Eine frustrierende und demoralisierende Angelegenheit, erzählt sie, da viele Dokumente und Beglaubigungen nach drei Monaten wieder verfallen seien. Wenn sie bis dahin nicht alles für die Anträge zusammenhabe, müsse sie wieder von vorne anfangen. Kate Stables sei dankbar dafür, dass sie überhaupt die Möglichkeit habe, Europäerin bleiben zu dürfen. Denn sie habe das Gefühl, dass Großbritannien seinen Menschen seit dem Brexit die europäischen Bürgerrechte genommen habe.

"Paris ist mein Zuhause, wo ich seit 15 Jahren wohne. Es wäre so traurig, bloß wegen dem Brexit zurück ins UK ziehen zu müssen."
Kate Stables, Musikerin aus Großbritannien

Großbritanniens Ausstieg aus der Europäischen Union betrifft nicht nur Kate, sondern auch ihren Partner und ihre gemeinsame 13-jährige Tochter. Da sie in Paris geboren wurde, hat sie als Kind ausländischer Eltern nicht automatisch ein Recht auf die französische Staatsbürgerschaft.

Und auch ihre dreiköpfige Live-Band ist vom Brexit betroffen. Bisher war es nie ein Problem gewesen, in Wales zu proben und durch Europa zu touren. Doch all das wird in Zukunft immer komplizierter und schwieriger werden.

Musikmachen mit bürokratischen Hürden

Denn selbst wenn die Pandemie überstanden ist, sich die Grenzen wieder öffnen und ihre Band in vielen EU-Ländern keine Arbeitsvisa brauchen sollte, müssen die Musiker für jede Tour sogenannte Carnets, also Zollerklärungen, für ihre Instrumente mitführen und sie an jeder Staatsgrenze vorzeigen.

Oft rede sie mit ihrem Tourmanager über die aktuelle Situation, immer kämen sie am Ende des Gesprächs auf die eine Antwort: Abwarten. Wenn Konzerte wieder erlaubt sein werden, werden sie wohl keine andere Wahl haben, als den komplizierten Regeln zu folgen – auch, wenn es sich falsch anfühle, sagt Kate.

"Aber was für eine Schande, den kulturellen Austausch zwischen Ländern derart zu kappen. Das fühlt sich so falsch an."
Musikerin Kate Stables, über die komplizierten Regelungen für Musiker seit dem Brexit

Natürlich hat sie sich vorgenommen, dass der Brexit ihre Band nicht spalten werde. Aber Kate hat durch die Corona-Pandemie auch die Erfahrung gemacht, dass es auch anders möglich wäre: Wegen der Reisebeschränkungen habe sie bereits mit französischen Begleitmusikerinnen und -musikern aus ihrer Umgebung zusammengearbeitet anstatt mit ihrer Band aus Großbritannien.

Deshalb werde sie in Zukunft von Konzert zu Konzert entscheiden müssen, ob sie sich die Zusammenarbeit mit ihren britischen Kollegen noch leisten kann. Damit ist sie nicht allein. Viele Veranstaltungslokale und Konzertagenturen in Europa werden sich zukünftig fragen müssen, ob es den zusätzlichen Aufwand wert ist, britische Acts für Konzerte oder Festivals zu buchen.

Britischer Pop ist doch nicht unantastbar

Diese Entwicklung sah Kate Stables schon vor Jahren kommen – anders als manche Kolleginnen und Kollegen auf der britischen Insel. Viele hielten die Vorrechte, die das Mutterland des Pops bisher genossen hatte, für unantastbar.

So ist es allerdings nicht gekommen und deswegen bleibt jetzt nur die Hoffnung, dass Musikerinnen wie Kate Stables, die dem Brexit zum Trotz in der Europäischen Union leben oder Musik machen, zu Botschafterinnen für ein offenes Europa werden.