Begradigte Flüsse, versiegelte Flächen, Staustufen – Menschen haben die (Fluss-)Landschaft in Deutschland seit Jahrhunderten verändert. Das oft aus gutem Grund. Allerdings könnte es sinnvoll sein, Land und Stadt an manchen Stellen ökologischer zu gestalten, um weiteren Flutkatastrophen vorzubeugen.

Nach dem extremen Niederschlag im Juli, der in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu Flutkatastrophen geführt hat, wird nun öffentlich diskutiert, wie das in Zukunft verhindert werden kann. Neben technischen Lösungsvorschlägen gibt es auch die Idee des ökologischen Hochwasserschutzes. Hier geht es zum Beispiel darum, Flusslandschaften wieder natürlicher zu gestalten und so das Hochwasser abzufangen. Oder Flussauen wieder an Flüsse anzuschließen, die für die Landwirtschaft von ihnen getrennt wurden.

"Wir müssen schauen, dass wir in den Landschaften, aber auch in Städten das breite Spektrum an Maßnahmen ausschöpfen, um das Wasser zu halten und den Abfluss zu verlangsamen."
Landschaftsplaner Christian Albert

Professor Christian Albert erforscht naturbasierte Konzepte für Flusslandschaften im Projekt "PlanSmart". Er sagt, dass es bei Flüssen zum Beispiel wichtig sei, ihnen wieder mehr Raum zu geben. Wenn man für die Schifffahrt begradigte Flüsse zum Beispiel wieder mehr in Schlangenlinien anlegt, könne der Fluss auch starke Wassermassen zurückhalten.

Städte werden zu "Schwammstädten"

Christian Albert sagt, dass man auch die Städte im Blick haben müsse. Gerade in der Stadt könne man durch das Anlegen von Grünflächen Orte zum Versickern schaffen. Mit einer entsprechenden Planung von Parks zum Beispiel, die Wassermassen bei Hochwasser sammeln und für ein paar Tagen zu Gewässern werden. Städte würden so zu "Schwammstädten".

"Es lohnt sich, diese Ansätze mitzudenken, weil sie langfristig die nachhaltigeren resilienteren Einsätze sind und vor allem, weil sie im Vergleich zu technischen Ansätzen vielen deutlichen größeren Nebennutzen generieren."
Landschaftsplaner Christian Albert

Das gehe auch auf dem Land, sagt der Landschaftsplaner: durch das Aufbrechen von Betonflächen, indem man Feuchtgebiete sichere und vergrößere oder Äcker wieder in Grünland umwandele.

Natürlicher Hochwasserschutz braucht viel Raum

Soweit, so gut. Warum werden diese alternativen und natürlichen Konzepte also nicht großflächig in Deutschland umgesetzt? Der Grund ist einfach: Natürlicher Hochwasserschutz braucht Raum. Und rund um diesen Raum gibt es meist viele berechtigte Interessen. Angefangen bei Landwirt*innen, die zum Teil ihre Äcker aufgeben oder umgestalten müssen, Bürger*innen, Angler*innen, Naturschützer*innen – die Liste geht immer weiter.

"Das geht bei Bürgerinnen und Bürgern los, über deren Heimat wir reden."
Landschaftsplaner Christian Albert

Rechtlich gesehen, kann der Staat bereits Gebiete zum Schutz gegen Hochwasser ausweisen, zum Beispiel für Deiche. Es gibt Planfeststellungsverfahren, durch die ermittelt wird, ob es wirklich keine andere Möglichkeit gibt, als die Enteignung des Grundstücks und ob dies zum allgemeinen Wohl der Gemeinschaft beiträgt, erklären die Umweltrechtler Stefan Möckel und Wolfgang Koeck vom Umweltforschungszentrum. Bundesländer können so zum Beispiel auch Überschwemmungsgebiete ausweisen.

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Christian Albert betont, dass es wichtig sei, die natürlichen Ansätze mitzudenken. Oft haben sie weitere positive Nebeneffekte. Grünstreifen vor Äckern verhindern zum Beispiel, dass Schadstoffe aus Düngemitteln in die Flüsse gelangen. Es brauche aber Diskussionsprozesse mit der gesamten Gesellschaft. Die Flusslandschaft komplett in ihren natürlichen Zustand umzugestalten, sei unrealistisch.