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Anfang März wird die Britin Sarah Everard auf dem Weg nach Hause vergewaltigt und ermordet. Im Prozess steht die nächste Anhörung des Tatverdächtigen an. Seitdem wird nicht nur in Großbritannien über mehr Sicherheit für Frauen diskutiert, sondern auch in Deutschland.

Denn auch in Deutschland fühlen sich Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum häufig bedroht, zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage "Safe in the City?" von Plan International. Kaum eine Frau fühle sich sicher in ihrer Stadt, so Barbara Wessler von der Hilfsorganisation.

Viele Orte in der Stadt sind bedrohlich

Die Umfrage wurde 2020 in Berlin, Hamburg, München und Köln durchgeführt. Ein Ergebnis war auch: "Jede vierte Frau hat sexuelle Belästigung erlebt", sagt Barbara Wessler.

Bei der Befragung haben knapp 1000 Frauen teilgenommen. Sie haben unter anderem auf interaktiven Städtekarten Orte markiert, die sie als sicher oder unsicher erleben. Nur 20 Prozent dieser Ortsmarkierungen wurden als sicher eingestuft, die anderen 80 Prozent als unsicher.

"Jede vierte Frau hat sexuelle Belästigung erlebt."
Barbara Wessler, Plan International

Am unsichersten fühlen sich Frauen und Mädchen, wenn sie bei Dunkelheit alleine auf der Straße unterwegs sind. "Aber auch, wenn sie allein an der Haltestelle sind. Oder allein in der U- oder S-Bahn", sagt Barbara Wessler. Sicher fühlen sie sich hingegen an Orten mit vielen Menschen, wie Restaurants, Bars oder bei Veranstaltungen.

Städteplanung spielt eine wichtige Rolle

Aber es geht nicht allein um bestimmte Situationen, sondern eben auch um den Städtebau. Städteplaner und -planerinnen sollten bei ihrer Arbeit Mädchen und Frauen viel stärker einbinden, findet Barbara Wessler. Ebenso Jungen und Männer, um Städte sicherer zu machen.

"Mädchen und Frauen müssen in die Planung neuer Stadtteile eingebunden werden."
Barbara Wessler, Plan International

Die Organisation Plan International setzt sich mit dem Programm "Safer Cities" auch weltweit für mehr Sicherheit ein. Beispielsweise haben sie in Metropolen wie Kairo, Delhi oder Lima städtebauliche Veränderungen angestoßen – gemeinsam mit Mädchen und Jungen.

Mehr Sicherheit in Städten weltweit

Um herauszufinden, wie öffentlicher Raum sicherer werden kann, gehen sie mit Mädchen und Jungen zusammen auf sogenannte "Safety Walks". Bei diesen Sicherheitsgängen sollen sie in ihrer Stadt oder ihrem Stadtteil Orte bestimmen, an denen sie sich besonders unsicher und unwohl fühlen.

Diese Orte werden dokumentiert und an die lokalen Behörden weitergegeben, die dann aktiv werden sollten. Teils kann schon mehr Licht an einem Ort helfen. Oder das Kürzen von Hecken, damit Parks besser zu überblicken sind.

Auch Männer können helfen, dass sich Frauen und Mädchen weniger unsicher fühlen. Nämlich indem sie Abstand halten, wenn Frauen abends oder nachts allein in der U-Bahn sitzen oder an der Haltestelle warten. Wenn sie einer Frau auf dem Bürgersteig begegnen, können sie die Straßenseite wechseln, rät Barbara Wessler. "Viele Männer kommen nicht darauf, dass die Situation für Frauen beängstigend sein kann." Und natürlich sollten alle helfen, wenn ein anderer Mensch bedroht wird.