Seit Juli 2019 bis Anfang März 2020 haben die Brände in Australien riesige Flächen zerstört. Und zwar 5,3 Millionen Hektar - eine Fläche so groß wie Kroatien. Die Brände sind nun vorbei, mit den Folgen wird Australien aber noch lange kämpfen.

Insgesamt haben schätzungsweise eine Milliarde Wildtiere und 33 Menschen durch die Brände ihr Leben verloren. Besonders hart wurde New South Wales von den extremen Bränden betroffen. Sieben Prozent der gesamten Landfläche sind dort abgebrannt.

Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen

Die Feuer sind nun zwar alle gelöscht, doch die Aufräumarbeiten laufen noch immer auf Hochtouren, sagt Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University. Es gilt vor allem, die Lebensgrundlagen der Menschen wiederherzustellen. 3.000 Häuser müssen wieder aufgebaut werden, Schutt weggeräumt und Cafés, Pubs und alle anderen Gewerbe wieder errichtet werden, damit auch die Wirtschaft sich wieder erholen kann.

"Australien nimmt viel Geld in die Hand, um die Wälder wieder aufzuforsten."
Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University

Vor allem die Natur muss sich wieder erholen. Dafür nimmt Australiens Regierung viel Geld in die Hand, sagt Sebastian Pfautsch. 100 Millionen Dollar hat sie investiert, um eine große und umfangreiche Samenbank aufzubauen, mit Samen von Pflanzen, Bäume aber auch kleinere Sträucher, Gräser und Orchideen.

So sollen die vorhandenen Bestände einigermaßen großflächig bewirtschaftet und verbreitet werden. Hierbei sollen Setzlinge helfen, die aus der Wildnis geholt und in Pflanzschulen nachgezüchtet werden. Zum ersten Mal sollen diese dann wieder zurück in die Wildnis gebracht und dort eingesetzt werden.

Wald erholt sich langsam

Langsam erholt sich der Wald und es sieht schon wieder sehr viel besser aus, erzählt Sebastian Pfautsch. Noch lässt sich aber nicht sagen, ob die Artenzusammensetzung von Tieren und Pflanzen wie sie vorher bestand, wieder zurückkommen wird. Waldbrände sind für Australien zwar normal, doch solche extremen Brände verschieben die Bedingungen für das Ökosystem, so Sebastian Pfautsch. Die Wissenschaftler, die in den abgebrannten Gebiete bis runter nach Tasmanien forschen, seien sich einig: Das Drama, das hier stattgefunden hat, ist ein Weckruf für die ganze Welt.

"Der Klimawandel hat die Spielregeln für das ganze Ökosystem verändert."
Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University

Australien ist ein leidendes Beispiel dafür, was der Klimawandel anrichtet, sagt Sebastian Pfautsch. Selbst Pflanzen, die eigentlich feuerangepasst sind, können mit Bränden dieses Ausmaßes nicht mehr klarkommen.

Besonders gefährdet: Das Bürstenschwanz-Felskänguru


Unter den Bränden haben ohnehin schon gefährdete Tierarten besonders zu leiden. Ein eindrückliches Beispiel ist das Bürstenschwanz-Felskänguru. Der Lebensraum dieser Tierart war auch schon vor diesen Bränden eingeschränkt, sagt Sebastian Pfautsch. Es gibt nur noch sechs Populationen dieser Känguruart in freier Wildbahn, die den Wissenschaftlern bekannt sind.
Zwei Bürstenschwanz-Felskängurus
© imago images | Imagebroker
Es gibt nur noch sechs Populationen des Bürstenschwanz-Felskängurus

Die Felsenkängurus kommen vor allem in den Blue Mountains vor. Doch die Brände haben 80 Prozent ihres Habitats zerstört. Das bedeutet konkret: Dort finden sie kein Futter mehr. Darum wurden speziell für diese Tierart ungefähr zwei Tonnen Karotten und Süßkartoffeln per Helikopter abgeworfen, berichtet Sebastian Pfautsch. Das soll den Tieren die Möglichkeit geben, so lange an den Karotten zu knabbern, bis der Wald nachgewachsen ist und sie wieder ihr natürliches Futter finden können.

Australiens Regierung in der Verantwortung

Ähnliche Aktionen gibt es aber auch für andere Tierarten, die durch die Brände gelitten haben. Für Koalas etwa wurden große Netzwerke von Trinkstationen aufgebaut. Denn durch die dürftige Nahrung nehmen sie zu wenig Wasser auf. Sie dehydrieren und sind anfälliger für Krankheiten.

Unterstützungsprogramme gibt es aber auch für Schnabeltiere, Schildkröten oder Flughunde, sagt Sebastian Pfautsch. Generell hat er den Eindruck: Es wird viel getan, um die Wälder wieder zu beleben.