In Zeiten der Corona-Pandemie haben viele von uns das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen. Doch das birgt auch Gefahren. Ein Experte erklärt, worauf wir jetzt achten sollten.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht – das haben viele von uns schon auf die ein oder andere Art und Weise erfahren müssen. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie gilt dieses etwas angestaubte Sprichwort. Denn: Nachbarschaftshilfe steht bei uns gerade hoch im Kurs. So können wir uns solidarisch zeigen und denjenigen helfen, die zur Risikogruppe gehören. Doch die Nachbarschaftshilfe birgt auch Gefahren.

Welche, das erklärt Benjamin Maier in Ab 21. Der Netzwerkforscher arbeitet am Robert Koch-Institut und erforscht, wie Ansteckungsprozesse bei Epidemien verlaufen. Das macht er beispielsweise auch zu Covid-19-Patienten in Wuhan, also der Stadt, in der das Corona-Virus entdeckt wurde. Von seiner Arbeit weiß er, dass nicht jedes Nachbarschaftshilfsangebot auch wirklich hilft.

So helfen wir unseren Nachbarn während der Corona-Krise richtig

Wenn wir keiner Risikogruppe angehören, für andere einkaufen gehen und die Einkäufe bis zur Wohnungstür bringen, dann heißt das auch, dass wir die Wohnung der Nachbarn nicht betreten, ihnen nicht die Hand geben und auf Umarmungen verzichten sollten, erklärt Benjamin Maier. Wenn wir das alles beachten, sagt er, dann würden wir dazu beitragen, die Risikogruppe vor unnötigen Gefahren einer möglichen Infektion zu schützen.

Das sollten wir bei der Nachbarschaftshilfe während Corona vermeiden

Außerdem empfiehlt der Experte allen Helferinnen und Helfern, sich ansonsten "komplett aus dem physisch präsenten Sozialleben herauszuziehen." Wer wirklich helfen wolle, der solle ein Endpunkt der Übertragungskette werden – sprich: alle weiteren Sozialkontakte unterbinden, um das Virus so nicht weiterzutragen.

"Wenn man helfen möchte, ist es besser, sich einen Haushalt rauszusuchen und da dann konsistent zu helfen."
Benjamin Maier, Robert Koch-Institut

Wenn wir der Risikogruppe helfen wollen, dann sollten wir nur für einen einzigen Haushalt einkaufen gehen. Benjamin Maier sagt: "Jeglichen Kontakt, den wir vermeiden können, sollten wir auch vermeiden. Bei einer Infektionskrankheit wie Covid-19 sind Kontakte zwischen Menschen Benzin im Feuer. Je mehr man davon rausnehmen kann, desto besser.

Wenn man für mehrere alte Menschen einkaufen geht, dann heißt das auch, dass man sich öfter nach draußen bewegt und dementsprechend wieder Kontakte hinzufügt, die möglicherweise später Infektionen hervorrufen können, so der Forscher.

Wenn wir noch rausgehen müssen, weil wir zum Beispiel weiterhin zur Arbeit gehen müssen, dann sollten wir es vermeiden, anderen zu helfen. Den so können wir nie ein Endpunkt der Transfusionskette werden und das Virus ohne unser Wissen weiterverbreiten.