Nach Angaben der deutschen Umwelthilfe werfen wir 320.000 Coffee-to-Go-Becher pro Stunde weg. Eine ziemlich krasse Zahl und ein ziemlicher Haufen Müll. Deshalb arbeiten einige Studenten der Technischen Hochschule Köln an einer voll kompostierbaren Version. "Grow Pauli" heißt das Projekt.

Im Unterschied zu herkömmlichen Pappbechern bestehen die Becher von „Grow Pauli“ aus Papier und PLA. PLA steht für Polylactide, also Poly-Milchsäuren. Diese Stoffe können komplett kompostiert werden. Und damit sind sie eine Alternative zu den plastikbeschichteten Bechern, die bei der Verbrennung schädliche Stoffe absondern und zudem C02 erzeugen.

Wie die Kompostierung funktioniert

Kauft man ein Getränk in der Mensa und ist der Becher leer, wird er nicht in den üblichen Müll, sondern in einen extra dafür aufgestellten "Grow-Pauli"-Mülleimer geworfen. Die Müllbehälter werden dann von einer Kölner Müllentsorgungsfirma zu einem Urban-Gardening-Verein gebracht. Hier werden die Becher geschreddert und komplett kompostiert.

Die bundesweite Verbreitung ist das Ziel der Macher

Nachdem das Projekt auf dem Campus als Pilot erfolgreich gestartet ist, wollen die Macher nun eine weitere Verbreitung der Becher erreichen. Gesucht wird ein größerer Endabnehmer der gebrauchten Becher, damit das Konzept auf weitere Mensabetriebe ausgeweitet werden kann. Geht es nach dem Wunsch von Mitbegründerin Kathleen Hartig, sollen künftig an den Mensen bundesweit aber auch in allen anderen Betrieben, die Kaffe verkaufen, die Biobecher zu bekommen sein. Bis es so weit ist, müssen allerdings noch einige Hürden genommen werden:

Hürde Nr. 1

Auf dem Campus übernimmt das Kölner Studierendenwerk die Kosten für den Becher. Die Kompostbecher kosten 10 Cent und damit etwa 3 Cent mehr, als die herkömmliche Version. Stellt sich die Frage, ob Kaffeeanbieter bereit wären, mehr Geld für die Kompostbecher auszugeben. Matthias Johnen, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Köln, sieht die Kostenübernahme dafür beim Verbraucher:

"Natürlich ist damit zu rechnen, dass der Becher teurer ist. Das ist auch nachvollziehbar, da das ein wertigeres Produkt ist. Das würde natürlich letztendlich auf den Endverbraucher zurückgefahren werden."
Matthias Johnen, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Köln

Hürde Nr. 2

Selbst wenn die Verbraucher die Kosten übernehmen würden, stellt sich die Frage, wo die leeren Becher denn entsorgt werden. Damit das Prinzip funktioniert, müssen die Becher in den "Grow-Pauli"-Mülleimern landen und diese sind eben bisher nur auf dem Campus zu finden.

Hürde Nr. 3

Hinzu kommt, dass der Urban Gardening-Verein, der die Becher aktuell übernimmt, pro Woche nur 100.000 Becher kompostieren kann. Wer noch mehr Becher entsorgen will, müsste natürlich andere Kompostierer finden.

Hürde Nr. 4

Und dann ist da noch eine andere Sache, auf die Tim Hermann vom Umweltbundesamt aufmerksam macht. Auch beim Kompostieren wird C02 freigesetzt. Und anders, als bei der Müllverbrennung, kann daraus keine Energie gewonnen werden. Der bessere Ansatz wäre seiner Meinung nach, also einfach weniger Müll zu produzieren, und einen Mehrwegbecher mitzunehmen.

Erfolg oder nicht?

An der Uni oder in einem kleinen Kreislauf kann das Projekt durchaus funktionieren. Viele wollen offensichtlich einfach nicht auf die To-Go-Becher verzichten. Insofern verfolgt "Grow Pauli" grundsätzlich schon einen Ansatz, der nah am Konsumenten ist.