Ein Parkhaus wirkt eher ungemütlich - wohnen möchte man darin nicht. In Hamburg soll ein stillgelegtes Parkhaus nun zu Wohnraum umfunktioniert werden. Statt das Gebäude abzureißen, wird die Bausubstanz genutzt - das hilft, Baukosten und CO2 einzusparen.

Das Parkhaus "Gröniger Hof" ist ein etwas heruntergekommener Betonklotz aus den 1960er-Jahren. Ehemals ein klassisches Parkhaus mit einer Autowerkstatt im Erdgeschoss.

Normalerweise wird so ein stillgelegtes Parkhaus abgerissen und ein neues Gebäude gebaut, wenn der ungenutzten Platz als Wohnraum erschlossen wird.
Inzwischen aber geht man oft dazu über, die vorhandene Bausubstanz zu nutzen, wenn etwas Neues entstehen soll. Das hilft, Baukosten geringer zu halten und umweltfreundlicher ist es ebenfalls, weil sich dadurch CO2 einsparen lässt.
"Weil Beton in der Herstellung wahnsinnig viel Energie braucht, gibt es mittlerweile immer öfter die Idee, alte Substanz so weit es geht zu erhalten."
Christof Weber, Architekturbüro Duplex Architekten

Für dieses Pilotprojekt haben rund 300 Menschen eine Initiative gestartet und die Genossenschaft Gröniger Hof gegründet. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgerufen, den das Hamburger Architekturbüro Duplex Architekten für sich entscheiden konnte.

Rund 80 neue Wohneinheiten sollen entstehen. Wer gerne im früheren Parkhaus wohnen möchte, muss das Projekt mit 1000 Euro mitfinanzieren. Eine Genossenschaftseinheit kostet 250 Euro, mindestens vier müssen Interessierte kaufen, um eine Chance auf eine der 80 Wohnungen zu bekommen.

Die Genossenschaft Gröniger Hof erwartet von ihren Mitgliedern außerdem, dass sie die Planung aktiv mitgestalten, das heißt, auch etwas Zeit investiert.

"Es ist eine Genossenschaft, die dort plant und baut. Das heißt erst mal: Eine Wohnung kaufen, die dann mir gehört, das geht sowieso nicht. Bei Genossenschaften läuft es ja so: Ich kaufe mir Genossenschaftsanteile und bin erst einmal Mitglied."
Axel Schröder, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Hamburg

Wohnungen für Geringverdienende sollen zudem mit öffentlichen Geldern subventioniert werden. Die Hamburger Investitions- und Förderbank wird festlegen, wie viel Wohnraum im Gröninger Hof als geförderter Wohnraum angeboten wird.

Unser Korrespondent Axel Schröder hat durchgerechnet, wie viel er selbst als Normalverdiener für eine 4-Zimmer-Wohnung bezahlen müsste. Für ihn würde solch eine Wohnung im Gröninger Hof rund 600.000 Euro kosten.

Innovatives bauen: Parkhaus soll zerteilt werden, um Innenhof zu schaffen

Um den Betonklotz in eine wohnliche Anlage zu transformieren, soll viel Holz verwendet werden. Auf den Dachterrassen, die von allen genutzt werden können, sollen Bäume gepflanzt werden.

Auch ein Innenhof soll entstehen, um die Wohnungen mit ausreichend Licht zu versorgen. Das ist das Spektakulärste an diesem Bau, sagt Axel Schröder, denn dafür müssen große Betonteile aus dem Parkhaus herausgesägt werden.

Bauprojekt könnte Schule machen

Das Architekturbüro plant, diesen Bauschutt zu recyceln, um das Projekt möglichst nachhaltig zu gestalten.

Dieses Bauvorhaben könnte als Beispiel für ähnliche Umbauprojekte dienen. Der Architekt Christof Weber sagt, dass im Prinzip auch andere Parkhäuser auf diese Art umgebaut werden könnten. Das hänge von der Bausubstanz der jeweiligen Gebäude ab, die man sich jeweils anschauen müsse, um das zu entscheiden.


Unser Aufmacherbild zeigt zwei Ansichten des Bauprojektes Gröninger Hof in Hamburg.