In unseren Flüssen schwimmen eingewanderte Krabben und Fische, die heimische Arten bedrohen. Bisher werden sie vernichtet. Wir könnten sie aber essen. Sollten wir sogar. Es sind nämlich richtige Delikatessen.

Es wäre eine gute Methode, nachhaltig zu essen. Bisher macht es aber kaum jemand. Vertreter der Fischereiwirtschaft fordern: Esst mehr tierische Einwanderer (Neozoen). Damit meinen sie zum Beispiel die chinesische Wollhandkrabbe und den amerikanischen Flusskrebs. Beide Tiere sind – möglicherweise durch Schiffe – hier in unseren Gewässern gelandet und breiten sich seither aus.

Invasive Krebse vertreiben heimische Arten

Eingewanderte Arten gibt es in Deutschland viele. Die chinesische Wollhandkrabbe zum Beispiel lebt in der Havel, einem Gewässer im Nordosten Deutschlands. Und der amerikanische Flusskrebs entwickelt sich regelrecht zum Problem, da er sich extrem schnell vermehrt und heimische Arten vertreibt. Hinzu kommt, dass diese Flusskrebsart eine Krankheit überträgt: die Krebspest. Das ist für ihn selbst unproblematisch, für andere Tiere aber tödlich.

"Amerikanische Flusskrebse sind sehr hungrig und fressen mehr als hiesige Arten. Außerdem überträgt er die Krebspest, die ihm selbst nichts ausmacht, heimische Edelkrebse sterben aber daran."
Till Opitz, Deutschlandfunk Nova

Damit die Population dieser Neozoen unter Kontrolle bleibt, werden sie gezielt aus den Gewässern herausgefischt. Bisher werden sie danach vernichtet. Verschiedene Verbände aus der Angel- und Fischereibranche streben aber nach anderen, nachhaltigeren Lösungen, die sie auf dem Deutschen Fischereitag in Magdeburg diskutieren. Gero Weinhardt ist zuständig für Naturschutz beim Jagdverband Sachsen-Anhalt. Er plädiert dafür, die Tiere zu essen.

"Die Idee ist, die Tiere, die wir fangen, auch zu nutzen. Dann hätten wir mehr Erlöse und das Geld könnten wir nutzen, um diese Arten weiter einzudämmen."
Gero Weinhardt, Jagdverband Sachsen-Anhalt

Die Wollhandkrabben aus der Havel stehen in China zum Beispiel auf der Speisekarte von Gourmetrestaurants. Dort gelten sie als Delikatessen. Sabine Schulze von der Fischerstube Warnau hat die Tiere schon probiert und kann sie nur empfehlen.

"Wollhandkrabben schmecken wie Krebse, nur etwas intensiver: Süßlich und saftig."
Sabine Schulze, Fischerstube Warnau

Chinesen empfehlen zu Wollhandkrabben übrigens eine Balsamico-Ingwer-Sauce und Brot. Und auch Signalkrebse sollen lecker schmecken. Hier wird empfohlen, sie in einer Gemüsebrühe zuzubereiten.

In den letzten Jahre verbreiten sich kleine unscheinbare Fische ebenfalls stark: Schwarzmundgrundeln. Sie stammen ursprünglich aus dem Schwarzen Meer und verdrängen heimische Fischarten zum Beispiel im Rhein, in der Donau und Elbe. Was nur wenige wissen: Schwarzmund-Grundeln haben ein wohlschmeckendes, festes Fleisch mit wenigen Gräten. Mit Mehl paniert lassen sich die kleinen Fische gut in der Pfanne braten.