Ihr möchtet etwas Neues lernen, aber es geht einfach nicht in den Kopf rein? Variation beim Lernen kann helfen! Das bedeutet: Wir führen eine Übung in einem anderen Kontext aus und verinnerlichen das Gelernte dadurch besser und auch nachhaltiger.

Wenn wir eine neue Sprache, Sportart oder ein neues Instrument lernen, greifen manche auf für sie altbewährte Strategien zurück. Beim Erlernen einer neuen Sprache schreiben sie sich zum Beispiel immer erst alle Vokabeln auf Karteikarten auf und gehen sie jeden Abend durch, bis sich die neuen Wörter im Gehirn eingebrannt haben. Andere stehen auf dem Tennisplatz immer wieder auf der gleichen Stelle, damit sie den perfekten Aufschlag beherrschen.

Variabilität: Vielfältig lernen

Und wieder andere waschen und polieren ein Auto wie im Filmklassiker Karate Kid, um später die Techniken der Kampfkunst draufzuhaben. Diese letze Methode stammt aus Karate Kid - und dabei ist erst mal nicht genau klar, was das Waschen und Polieren eines Autos einem Karateschüler bringen soll.

Das zeigt sich später: Der Schüler kann die Schläge seines Meisters später gekonnt blocken, weil er die Bewegungen schon vom Waschen und Polieren kennt. Und genau das ist das Prinzip der Variation: Üben wir die gleichen Bewegungen in unterschiedlichen Kontexten aus, prägen sich Abläufe besser und nachhaltiger in unser Gedächtnis ein.

"Variation heißt, die gleichen Bewegungen in verschiedenen Kontexten auszuführen: beispielsweise einmal beim Autopolieren und einmal beim Karate. Dann prägt es sich besser ein."
Julia Polke, Deutschlandfunk Nova

Vier Konzepte der Variation fürs Lernen

Das Prinzip ist schon seit über 80 Jahren bekannt. Bisher haben sich Studien allerdings auf Teilaspekte der Variabilität konzentriert, oft in Verbindung mit einem spezifischen Lerngegenstand. Forschende des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in den Niederlanden haben jetzt 150 Studien zu dem Prinzip untersucht und daraus vier Konzepte erarbeitet, die uns beim Lernen helfen:

  • Anzahl: Üben wir beispielsweise im Tennis den Aufschlag, hilft es, die Bewegung von möglichst vielen verschiedenen Positionen auf der Grundlinie auszuführen.
  • Heterogenität: Förderlich ist auch Variation in den Beispielen für eine Kategorie. Das bedeutet: Geht es etwa darum zu lernen, was ein Hund ist, hilft es, sich unterschiedliche Hundearten anzuschauen. Wer sich beispielsweise nur Bilder großer Doggen ansieht, erkennt sonst möglicherweise nur große Doggen als Hunde, andere Rassen aber nicht als Teil der Kategorie.
  • Kontext oder Situation: Hier geht es um das Lernen in verschiedenen Umgebungen. Beispiel Autofahren: Hier hilft es zum Beispiel, unterschiedliche Strecken zu unterschiedlichen Tageszeiten zu fahren, etwa auf der Autobahn, Landstraße oder in der Stadt.
  • Trainingsplan: Hier hilft es, Übungen zu unterschiedlichen Tageszeiten und Rhythmen zu trainieren, also beispielsweise erst zwei Mal in der Woche abends zu lernen, dann nach einer Pause die Übungen auf den Morgen zu legen und auf drei Tage aufstocken.

Variation und nachhaltige Lernerfolge

Bisher gab es unter Fachleuchten zwei gängige Theorien, warum Variabilität für bessere Lernerfolge sorgt, die auch nachhaltig sind. Danach könnte Variation beim Lernen dazu führen, dass wir bei einer Aufgabe besser filtern, was wichtig und was unwichtig ist. Ein anderer Erklärungsansatz geht davon aus, dass wir durch mehr Variabilität auch mehr generalisieren. Das würde wiederum dabei helfen, dass wir uns besser in der Welt zurechtfinden.

Die Forschenden aus den Niederlanden vermuten zudem, dass wir durch Variation beim Lernen die Erinnerung an das Erlernte im Gehirn abrufen und sie jedes Mal ein Stück anpassen. Das könne die Erinnerungen laut der Forschenden festigen und nachhaltiger machen.

  • Moderator:  Paulus Müller
  • Gesprächspartnerin:  Julia Polke, Deutschlandfunk Nova