Die Musikwelt ist von der Corona-Krise durch Konzertausfälle genauso betroffen wie die Modebranche und Friseure. Manche Fans unterstützen deshalb ihre Lieblingskünstler mit dem Kauf von Fanartikeln - die immer häufiger ein Fair-Fashion-Siegel tragen.

Wer Wert auf faire und nachhaltige Mode legt, kann beim Kauf auf bestimmte Siegel achten. Wer sich ein Shirt seiner Lieblingssängerin oder des Lieblingsfußballers kauft, kann leider in der Regel noch nicht wählen.

Doch faire und nachhaltige Mode findet in der Musikbranche und teilweise auch im Fußball immer mehr Anklang.

Eine Kollektion aus Meermüll

Ein Beispiel hierfür: Das Label Green Berlin von Marteria hat die Back2Green-Kollektion herausgebracht. Sie fällt zwar nur im weitesten Sinne unter Merchandise, wird aber zusammen mit allen anderen Fanartikeln von Marteria im Shop von Green Berlin verkauft. Kunden sind am ehesten Marterie-Fans.

Die Klamotten von Back2Green bestehen aus 100 Prozent recyceltem Polyester, wie es auf der Homepage des Labels steht. Die Basis: Plastikmüll aus dem Meer.

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Gesammelt wird der Plastikmüll von der Initiative Seaqual in einer Kooperation mit lokalen Fischern des Mittelmeers.

Der Müll aus dem Meer wird nach dem Einsammeln in Recyclingbetrieben gehäckselt, zu Granulat und danach weiter zu Garn verarbeitet. Aus diesem Garn werden dann von einem anderen Unternehmen Stoffbahnen hergestellt, aus denen am Ende beispielsweise T-Shirts entstehen, die dann Labels wie Green Berlin benutzen.

Faire und nachhaltige T-Shirt-Rohlinge

Christoph Otto, einer der Hauptgründer der neuen Kollektion, sieht einen starken Trend in Richtung fairem Merch (= Merchandise-Produkte). Beispielsweise bietet auch der Bastler Fynn Kliemann in seinem Online-Shop fair produzierte Produkte aus Europa an.

In den meisten fällen jedoch kaufen die Labels weiße T-Shirt-Rohlinge ein, die nachhaltig und fair produziert wurden und dann beliebig bedruckt werden können.

Etwa die Firmen Stanly/Stella oder Continental Clothing stellen solche Rohlinge her. Aus diesen ist beispielsweise ein Fan-Shirt von Marterias Alterego Marsimoto hergestellt.

"Wir machen bei Marteria unser Merchandise auf fairen Rohlingen."
Christoph Otto, Mitgründer der Kollektion Back2Green

Zum Merchandise gehören aber nicht nur T-Shirts, sondern auch beispielsweise CDs und Vinyls, Jutebeutel, Sticker, Mützen, Tassen oder auch Songbooks. Die deutsche Sängerin Mine hat beispielsweise bei ihrem Songbook auf Plastikfolie verzichtet. Das ist zwar nicht viel, aber es zeigt das Umdenken in der Branche.

Fair und nachhaltig im Fußball

Im Fussballbereich ist nachhaltiger Merch zumindest in einigen der 18 Vereinen angekommen. Schalke, Mainz und Düsseldorf produzieren ihre Shirts, Pullis oder Polohemden aus zertifizierter Bio-Baumwolle oder nach den Richtlinien der Fair-Trade-Siegel.

Bei Hoffenheim gibt es eine fussballfreie Lifestyle-Marke, die in Uganda produziert wird. Hier wird auf Nachhaltigkeit im gesamten Produktionsprozess und auf faire Löhne der Mitarbeiter geachtet.

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Auch kleinere Player des Fussballsbusiness wie beispielsweise der Podcast "Rasenfunk" produzieren ihren Merch auf einer fairen Basis. Der Sportjournalist Max Jakob Ost, der den Podcast mit einem Freund produziert, verkauft seit einigen Monaten Caps oder Tassen. Diese werden über eine deutsche Textilmanufaktur in Portugal, Serbien oder der Türkei produziert, bei denen die Mitarbeitenden den Mindestlohn des jeweiligen Landes erhalten.

Faires Merchandising kostet einfach mehr

Eine Garantie dafür, dass die Fanartikel durch und durch fair oder ökologisch nachhaltig sind, kann niemand geben. Das haben Christoph Otto und Max Jakob Ost durch ihre Erfahrungen gelernt: Die Produktions- und Lieferprozesse sind lange und ob jeder involvierte Lieferant fair bezahlt oder jedes Paket umweltfreundlich verpackt wird, ist schwer nachzuvollziehen.

Eines haben die beiden gelernt: Wer fair produzieren will, muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Als Produzent und auch als Fan.

"Das ist ja eines der Nebenprodukte von fairem Merchandise, dass man das den Käuferinnen und Käufern auch vor Augen führt: Wenn du eine fair produzierte Tasse erwerben möchtest, dann kostet die einfach mehr."
Max Jakob Ost, Podcaster von "Rasenfunk"

Bei der neuen Kollektion von Marteria zeigt sich aber, dass das von den Fans gut angenommen wird. Obwohl ein Windbreaker 180 Euro kostet, ist die halbe Kollektion bereits ausverkauft. Das könnte anderen Künstlern Mut machen, auch auf mehr Fairness und Nachhaltigkeit im Merchandising umzusteigen.