Bundesumweltministerin Barbara Hendricks möchte allen elektronischen Geräten ein Öko-Preisschild verpassen, damit wir erkennen können, wie ökologisch und sozial nachhaltig oder auch nicht das Gerät ist.

Öko-Preisschild klingt einfach, klein und übersichtlich. Soll das Ressourcen-Label, wie die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks es vorgestellt hat, alle ökologischen und sozialen Nebenkosten anzeigen, dann wäre es ungefähr so groß wie ein Stiftung-Warentest-Bericht, erklärt DRadio-Wissen-Reporterin Sandra Pfister.

Das Beispiel Smartphone zeigt, was dort eigentlich alles stehen müsste:
  • Coltan: Mit den Gewinnen aus der Rohstoffgewinnung finanzieren Kriegsparteien in Afrika Bürgerkriege. Deshalb wird das Erz auch Blut-Coltan genannt, weil Minenarbeiter gezwungen werden, ihre Metalle billig an Bürgerkriegsparteien zu verkaufen.
  • Gold: Das Edelmetall wird in südamerikanischen Goldminen gewonnen und mithilfe von Zyanid aus dem Gestein gelöst.
  • Sozialstandard: Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die Rohstoffe in diesem Produkt von Arbeitern ohne ausreichenden Gesundheitsschutz und mit Knebelverträgen gewonnen worden.

Gute Idee - wird was draus?

Ein derartiges Öko-Label wird es aber nicht geben: Denn welches Unternehmen druckt freiwillig geschäftsschädigende ökologische und soziale Wahrheiten auf ihre Produkte? Was Barbara Hendricks dagegen plant, ist eine abgespeckte Form. Nach ihrer Vorstellung sollen auf dem Öko-Preisschild die Inhaltsstoffe gelistet werden, wie gut das Gerät repariert und ob es in seine Komponenten zerlegt werden kann, die separat ausgetauscht werden können, oder ob das ganze Gerät komplett in den Müll geschmissen werden muss.

Besser als nichts

Auch wenn das Öko-Preisschild nur in dieser Form käme, wäre das schon ein Fortschritt, sagt Sandra Pfister. Auch weil es nicht nur ein Siegel wäre, sondern einzelne Kriterien auflisten würde. Für die Überprüfung der Angaben müsste eine eigene Zertifizierungsstelle eingerichtet werden. Wo diese angesiedelt sein soll, ist unklar.

"So lange so ein Label nicht transparent ist, ist es natürlich auch nichts wert."
Sandra Pfister, DRadio-Wissen-Reporterin

Wie solche Label-Initiativen scheitern können, ist gut an der Lebensmittel-Ampel zu sehen, die anzeigen soll, wie viel Zucker ein Produkt enthält. Bis heute ist sie nicht eingeführt worden. Sandra rechnet nicht damit, dass das Öko-Preisschild kommen wird, weil die Elektronikkonzerne nicht kooperieren werden. Abgesehen davon sei es teuer und schwierig, ein nachhaltiges Gerät herzustellen wie sich am Beispiel Fairphone zeige.

"Die meisten Konzerne wollen nicht an die große Glocke hängen, wie viel ökologischer Dreck und menschliches Leid an ihren Handys klebt."
Sandra Pfister, DRadio-Wissen-Reporterin

Viel Konkretes hatte Barbara Hendricks nicht zu verkünden. Geplant ist das Öko-Preisschild für 2030. Wer jetzt schon wissen will, wie ökologisch das Handy oder die Kaffeemaschine ist, kann das klassischerweise bei Ökotest nachlesen oder beim Greenpeace Guide to Greener Electronics.

Mehr über das geplante Öko-Preisschild: