Eliot Higgins sieht sich Youtube-Videos aus Syrien an, analysiert die Waffen der Kämpfer dort, ihre Aufenthaltsorte und die Bewegungen der Truppen. Der Blogger vergleicht seine Ergebnisse mit Google Earth - und findet den Ort eines Ausbildungslagers der Terrorgruppe IS.

Er war noch nie in Syrien und spricht kein Arabisch: Trotzdem fand ein britischer Blogger den Ort, an dem die Terrorgruppe IS ein Ausbildungslager betreibt. Außerdem lokalisierte Eliot Higgins den Ort, an dem der amerikanische Journalist James Foley vor laufender Kamera enthauptet wurde. Higgins benutzte für seine Recherche Quellen, die im Netz frei zugänglich sind, zum Beispiel Google Earth und Youtube-Videos.

Michael Gessat, Netzautor
"Die Methoden sind an sich nicht neu oder sensationell - aber die Arbeit muss man sich konkret erst mal machen."

Higgins hat den Rechercheblog bellingcat.com gegründet, der durch Crowdfunding finanziert wird. Schon vorher schrieb er auf dem Brown Moses Blog über seine Erkenntnisse zum Bürgerkrieg in Syrien. Damals hatte er gerade seinen Job in der IT verloren und passte zu Hause auf seine kleine Tochter auf. Zum Bloggen, so berichtete die New York Times, saß er meistens auf seinem beigefarbenes Sofa im Wohnzimmer.

Vor etwa zwei Jahren, als der Krieg in Syrien begann, machte sich Higgins einen Namen, indem er Bild- und Filmmaterial aus dem Land analysierte. Er untersuchte so, wer und wo Giftgas in Syrien einsetzte.

Higgins sammelt exzessiv Videomaterial, sichtet Standbilder und analysiert Uniformen, Waffen und die Bewegungen der Truppen. Dann gleicht er seine Ergebnisse mit Google Earth ab.

Michael Gessat, Netzautor
"So eine Recherche ist sehr aufwendig, auch emotional sehr belastend, es dauert. Und man muss sich fragen: Wie groß ist der Erkenntnisgewinn?"

Ob Higgins Vorgehen deshalb auch Vorbild für journalistisches Arbeiten sein könnte, zum Beispiel in Rechercheredaktionen, ist eher zweifelhaft, sagt Netzautor Michael Gessat. Die Erkenntnisse des Bloggers sind eher für Geheimdienste interessant, die zum Beispiel einen Gegenschlag planen. Allerdings hätten die Geheimdienste wohl auch aktuellere Informationen als die Bilder von Google Earth.

Ob Higgins den Geheimdiensten wirklich eine Information voraus ist, ist ebenfalls unklar - denn die sind bekanntlich wenig offen, was ihren Wissensstand betrifft.