"Rosa Schlüpfer" oder "Peer Weers". Es gibt Namen, die sind vielleicht nicht so glücklich gewählt. Wir haben Menschen getroffen, die ihren Namen geändert haben. Ihnen ging es dabei übrigens nicht um Namensvorlieben, sondern um die eigene Identität.

Seinen Vornamen zu ändern, ist nicht so einfach, ist er einmal fest gelegt. Bei wem ein "besonderer Grund" vorliegt, der kann aber einen Antrag auf Namensänderung bei seinem zuständigen Standesamt stellen – das entscheidet dann, ob dem stattgegeben wird oder nicht. Darin muss glaubhaft erklärt werden, dass der bisherige Name Schwierigkeiten auslöst. Gut stehen die Chancen beispielsweise, wenn die Namen Anlass für Hänseleien sind oder sie keine eindeutige geschlechtliche Zuordnung zulassen.

"Das Namensänderungsgesetz sagt aus, dass eine Namensänderung den Namensträger von den Schwierigkeiten, die er mit dem Namen hat, befreien soll. Die Namensänderung ist kein Wunschkonzert."
Angelika Barg, Standesamt in Köln

So ging es beispielsweise Vanessa. Die Studentin ist 24 Jahre alt und in Deutschland geboren. Mit ihrem früheren vietnamesischen Namen „Van“ hat sie sich nicht mehr wohl gefühlt. Nicht nur, dass sie ständig Post bekam, in der sie mit "Herr" angesprochen wurde, sondern auch in der Kindheit war der Name Grund für Spott.

"Ich hatte mich mit dem Namen schon früh nicht sehr wohl gefühlt. Das lag weniger am Namen an sich, eigentlich ist er wunderschön, aber ich verbinde ihn damit, dass er in meiner Kindheit oft Ausgrenzung bedeutet hat."
Die Studentin Vannessa hieß früher Van

Sie gibt sich irgendwann den Spitznamen Vanessa. Als sie mit 18 eingebürgert wird, ist die richtige Namensänderung nur ein kleiner Strich mit dem Filzstift. Im Amt in ihrem kleinen Ort in Bayern wird in ihrem Pass "Vanessa" einfach handschriftlich ergänzt. Ihre Herkunft will sie übrigens nicht verstecken, sie trägt nach wie vor ihren vietnamesischen Nachnamen.

Zwang und Freiheit

Das geschichtliche Kapitel der Namensänderungen hat auch dunkle Seiten. Es geht nicht nur Freiheit und Identität, sondern auch um Zwang und Stigma. Die Nazis zwangen deutsche Juden beispielsweise bestimmte Namen zu tragen. "Wie immer sie hießen, ab dem 1. Januar 1939 mussten sie in ihrem Ausweis, den Zusatznamen Sara oder Israel tragen", erklärt Rechtsanwalt Winfried Seibert.

Anders wirkt eine freiwillige Namensänderung: viele jüdische Einwanderer veränderten ihren Namen in den USA. Ein bekanntes Beispiel ist der Maler John Heartfield, er wurde geboren als Helmut Herzfeld. Manchmal war die Namensänderung nur ein kleiner Fehler oder sprachliche Anpassung . Andy Warhols Geburtsname lautete beispielsweise Andrej Warhola. Seine Eltern, tschechoslowakische Einwanderer,waren noch unter dem Namen Warhola in die USA gereist. Irgendwann ließen sie das "a" weg.

Nicht nur ein Name

Für den 29-Jährigen Newroz war sein neuer Name etwas Existenzielles. Er ist trans und hatte bei der Geburt noch einen typischen Mädchennamen bekommen. Nachdem seine Anträge auf Änderungen abgelehnt wurden, hat er sein Recht vor Gericht erstritten. Es erkannte an: Wer sich nicht mit dem Geschlecht identifiziert, das in der Geburtsurkunde steht, hat natürlich auch Probleme mit dem für ihn falschen Vornamen.