Pascal hat Narkolepsie. Das bedeutet, dass er nachts mehrfach aufwacht, sich dann zum Teil nicht bewegen kann und tagsüber so müde wird, dass er an Ort und Stelle einschläft. Es gibt zwar Medikamente, doch die helfen nicht immer.

Wer nachts schlecht schläft, sich zur Uni oder in die Arbeit schleppt und dann vor Ort kaum die Augen offen halten kann, weiß ungefähr wie sich Pascal jeden Tag fühlt. Denn er hat Narkolepsie. Trotzdem studiert er und versucht sich durch die Krankheit nicht ausbremsen zu lassen. Unser Reporter Cedrik Pelka hat ihn einen Tag lang begleitet.

Schlaf im Zwei-Stunden-Rhythmus

Pascal wohnt in Bielefeld in einer WG. Wenn er eine gute Nacht hat, kann er früh aufstehen, seine Medikamente nehmen und sich relativ wach fühlen. Eine gute Nacht bedeutet für ihn: Selten aufwachen und keine Paralyse erleben. Oft genug heißt das aber trotzdem, dass er alle zwei Stunden aufwacht.

Dabei kann es passieren, dass Pascal zwar aufwacht – sein Körper aber noch schläft. Paralyse ist ein typisches Symptom für Menschen, die Narkolepsie haben. Schläft seine Freundin bei ihm und bemerkt die Paralyse, kann sie ihn anstupsen. Ist er alleine, liegt er zehn bis zwanzig Minuten dort und kann sich nicht bewegen.

"Ich wackle immer mit dem linken oder dem rechten Fuß. Wenn meine Freundin das bemerkt, schubst sie mich ein bisschen. Durch diesen kleinen Schock wird auch mein Körper wieder wach und ich kann wieder einschlafen."
Pascal, hat Narkolepsie

Damit Pascal nachts besser schlafen kann, nimmt er zurzeit Anti-Depressiva – sie putschen den Körper auf. Aber sie haben Nebenwirkungen: Pascal hat zum Beispiel über 20 Kilo zugenommen.

Intensive Träume schlagen auf die Psyche

Ein weiteres typisches Symptom von Narkolepsie ist, dass Betroffene besonders viel und intensiv träumen. Oft können sie dabei nicht unterscheiden, ob sie schon schlafen oder noch wach sind. Vor allem wenn die Träume sehr qualvoll oder intensiv sind, belastet das seine Psyche, erzählt Pascal.

"Ich träume wirklich sehr viel – sofort wenn ich einschlafe und manchmal sogar schon vorher. Das kann schön sein, ist aber auch sehr anstrengend, weil das bedeutet, dass ich nicht in einer Tiefschlafphase bin."
Pascal

Dann träumt er, dass ihm nahestehende Menschen auf besonders grausame Weise sterben – und er kann nichts tun. Zwar kann er wie viele andere Menschen, die an Narkolepsie erkrankt sind, seine Träume oft steuern, doch gelingt ihm das nicht immer.

Denn oft ist ihm gar nicht bewusst, ob er gerade träumt oder wach ist. Regelmäßig glaubt er, dass eine Eule auf seinem Kleiderschrank sitzt oder Menschen in sein Zimmer kommen.

"Grundsätzlich sind alle Menschen im Traumschlaf gelähmt. Aber die meisten schlafen in dieser Phase eben und haben kein Bewusstsein darüber. Bei den Narkoleptikern ist das Bewusstsein zwischen Traum und Schlaf nicht so gut reguliert."
Patrizia Kutz, Schlafmedizinerin

Das liegt daran, dass bei Narkoleptikern ein bestimmter Botenstoff im Gehirn fehlt, der sowohl den Wach- als auch den Schlafzustand stabilisiert, erklärt Schlafmedizinerin Patrizia Kutz. Der Körper denkt also, dass das Gehirn noch träumt – auch wenn das nicht so ist.

Offiziell haben laut der Expertin etwa 4.000 Menschen in Deutschland Narkolepsie. Es sind tatsächlich aber wohl viel mehr.

Pascal (links) und unser Reporter Cedrik Pelka (rechts) sitzen zusammen beim Mittagessen
© Deutschlandfunk Nova
Beim Mittagessen mit unserem Reporter Cedrik Pelka (rechts) ist Pascal (links) wach – danach muss er sich für ein Nickerchen hinlegen

Durch die anstrengenden Nächte fehlt Pascal Schlaf. Tagsüber wird ihm das oft zum Verhängnis – besonders, wenn ihm langweilig ist. In Zügen liest er deshalb oft Webtunes oder Mangas, denn die findet er spannend und halten ihn wach.

In der Uni kann Pascal sich relativ gut wach halten. Er studiert Pädagogik und will später einmal mit Kindern arbeiten. Vor allem, wenn die Seminare praktisch ausgerichtet sind, fällt es ihm leichter wach zu bleiben.

"Ich denk wenig drüber nach, was noch so kommen könnte. Ich lebe jetzt und nicht in der Zukunft. Aber natürlich: Ein bisschen Angst ist schon mit inbegriffen, falls es dann schlimmer werden sollte."
Pascal, hat Narkolepsie

Doch auch das könnte sich in Zukunft ändern. Schon heute muss Pascal mehr Medikamente einnehmen als zu Beginn seiner Erkrankung. Noch hat er Narkolepsie Typ 2 – doch wenn sich Typ 1 entwickelt, könnte er zusätzlich an Kataplexie leiden.

Das bedeutet, dass plötzlich alle Muskeln im Körper nachgeben – und die Person einfach umfällt, egal wo sie gerade ist und was sie tut. Ein solcher Anfall dauert meist wenige Minuten. Doch bisher lässt Pascal sich von solchen Aussichten nicht entmutigen. Er versucht ein Leben trotz der Narkolepsie so aktiv wie möglich zu gestalten.