Manchmal sind Menschen wach, können sich aber nicht bewegen, sie sind gelähmt. Das Phänomen ist gar nicht mal selten und kann angsteinflößend sein – in der Regel ist es aber ungefährlich.

Viele Menschen erleben das in ihrem Leben wenigstens ein Mal: Sie sind wach, können aber für ein paar Sekunden, teilweise sogar Minuten, ihren Körper nicht bewegen. Schlafparalyse nennt man dieses teils beängstigende Phänomen.

Forschende vermuten als Erklärung: Wenn wir lebhaft träumen, könnte es im Schlaf zu körperlichen Bewegungen kommen - Menschen setzen also die Träume in echte Bewegungen um, zum Beispiel Schlagen oder Treten. Damit das nicht passiert, tritt eine Lähmung der kompletten Skelettmuskuatur ein. So lange wir schlafen, merken wir davon nichts, und wenn wir aufwachen, ist die Lähmung längst vorbei.

Manchmal aber hält die Lähmung an, und zwar auch dann noch, wenn wir schon aufgewacht sind. Das kann teilweise so extrem ausgeprägt sein, dass wir wach sind und alles mitbekommen, aber tatsächlich den ganzen Körper nicht bewegen können.

"Schlafparalysen an sich sind ungefährlich. Das sind einfach Fehler unseres Gehirns – die passieren einfach manchmal."
Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Manche Menschen können währenddessen ihre Augenlieder nicht bewegen, andere haben das Gefühl, nur schwer atmen zu können, auch von Halluzinationen wird berichtet, erklärt Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Gefährlich ist das aber in den allermeisten Fällen nicht, es geht dabei auch nichts kaputt, beruhigt sie.

Nur wenn so etwas häufiger passiert und noch andere Indikatoren hinzu kommen – etwa häufiges ungewolltes Einschlafen tagsüber oder plötzlicher Abfall der Muskelspannung, wenn ihr lacht zum Beispiel – solltet ihr ärztlichen Rat suchen. Dann könnte die Schlafparalyse im Zusammenhang mit einer schwerwiegenden Krankheit stehen, Narkolepsie etwa.

Aber zur Sicherheit noch mal: Das ist sehr selten. Meistens macht unser Gehirn einfach nur mal kurz einen Fehler. Allerdings kann das eben beängstigend sein.

Schlafparalysen: Oft und harmlos

Schlafparalysen scheinen auch gar nicht so selten zu sein, sagt die Schlafforscherin. Verschiedene Studien nennen Zahlen von 8 bis zu 40 Prozent der Bevölkerung, die schon mal eine erlebt haben. Im Grunde kann es wohl auch jeden und jede treffen.

Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich allerdings mit Faktoren wie Stress, Konsum von Alkohol oder anderen Drogen, Schlafmangel oder auch psychischen Erkrankungen, sagt Christine Blume. Das Alter spielt dagegen offenbar keine Rolle.

"Das Wichtigste ist, nicht in Panik zu verfallen."
Christine Blume, Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Und was können wir tun, wenn es uns passiert? In der Situation nicht viel, sagt Christine Blume. Ruhe zu bewahren, ist in jedem Fall gut. Manche Menschen schaffen es mit starker Willenskraft auch, einen Finger oder so zu bewegen, und damit die Schlafparalyse zu beenden, berichtet sie. Wer sich im Nachhinein Sorgen macht, soll einfach mal mit seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin darüber sprechen.

Das hat übrigens auch Christine Blume so gemacht, als sie vor kurzem selbst zum ersten Mal so eine Schlafparalyse erlebt hat. Zwar wusste sie als Schlafforscherin, was in ihrem Körper dabei passiert, und für sie hat es sich nur wie ein unklarer Zustand zwischen Schlafen und Wachen angefühlt, sodass sie keine Angst hatte. Das Gespräch mit einer Kollegin danach hat ihr aber trotzdem gut getan, gibt sie zu.