Auf eine wirklich krasse Naturkatastrophe ist Deutschland nicht besonders gut vorbereitet, sagt das Deutsche Rote Kreuz. Und hat deshalb am 7. Mai 2018 bei seiner Jahrepressekonferenz ein Konzept zum nationalen Krisenmanagement vorgestellt. 

Das Deutsche Rote Kreuz wolle in Deutschland zehn Materiallager aufbauen, sagt Deutschlandfunk Nova-Reporter Dominik Peters. Dort solle für den Ernstfall alles bereit stehen, damit schnell Notunterkünfte aufgebaut werden können. Es geht um Zelte, Bauzäune, Beleuchtungsanlagen, Betten, Decken und medizinische Hilfsmittel für 5.000 Menschen pro Lager.

Schutz für 50.000 Menschen

Insgesamt würden mit zehn Lagern also 50.000 Menschen Schutz geboten. Dieser Plan steht im Programm "Nationales Krisenmanagement", den sich das DRK und vier weitere Hilfsorganisationen zusammen überlegt haben. DLRG, Malteser, Arbeiter-Samariter-Bund und Johanniter sind auch mit dabei.

Der Weltverschwörungstheoretiker wird jetzt fragen: Steht eine Katastrophe bevor?

Gibt es einen akuten Anlass für den Vorstoß? Antwort: Nein. Bis kurz nach dem Kalten Krieg - bis in die 90er Jahre -  hat es solche Vorbereitungen in Deutschland schon mal gegeben. Dann wurden diese Lager aber abgebaut. Durch die unerwartet vermehrte Ankunft von Flüchtlingen 2015 hätten die Hilfsorganisationen dann aber festgestellt, dass Materialien fehlen, sagt Dieter Schütz vom DRK. Daraus habe man gelernt.

"Das ist eine Lehre, dass Deutschland nicht ausreichend auf unerwartete Ereignisse vorbereitet ist."
Dieter Schütz, Deutsches Rotes Kreuz

Naturkatastrophe, Cyberangriff und andere Notlagen

Der Bedarf an solch einer Vorbereitung könnte zum Beispiel bei einem Cyberangriff entstehen. Oder bei einer Reaktorkatastrophe wie in Fukushima, bei der Zehntausende plötzlich ihre Häuser verlassen mussten und schnell ein Dach über dem Kopf brauchten. Nicht nur das DRK und seine Partner sehen die Notwendigkeit für entsprechende präventive Maßnahmen. Auch Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist der Meinung, dass in dem Bereich zu wenig getan werde und unterstützt den DRK-Vorschlag.

"In dem Bereich haben wir in der Tat zu wenig gemacht. Insofern geht der Vorschlag des Deutschen Roten Kreuzes in die richtige Richtung."
Christoph Unger, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Lebensmittelversorgung gehört nicht dazu

Was in den heute präsentierten Vorschlägen keine Rolle spielt, ist die Lebensmittelversorgung, also die Einlagerung von Grundnahrungsmitteln, um die Bevölkerung im Katastrophenfall mit Essen versorgen zu können. Auch diese hat die Bundesregierung nach dem zweiten Weltkrieg nochmal deutlich zurückgefahren.

Bisher unkonkrete Pläne

Unklar ist bisher, ob und wenn ja wo solche Lager aufgebaut werden. Die heute vorgestellten Ideen seien wirklich erst mal ein Konzept, das die Hilfsorganisationen erarbeitet hätten, sagt Reporter Dominik Peters. Und die Umsetzung sei auch nicht ganz billig: 109 Millionen Euro sollen diese Lager anfänglich kosten. Der nächste Schritt liege laut dem DRK daher in Gesprächen mit Politikern und Überzeugungsarbeit. Und das wird nicht ganz einfach, weil in Deutschland sehr komplex geregelt ist, wer wie wann für Hilfe zuständig ist - und vor allem die Kosten übernimmt.

Für den Zivilschutz im Kriegsfall etwa ist nämlich der Bund zuständig, bei Naturkatastrophen oder Epidemien zum Beispiel sind es aber die Länder.

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