Der Vorschlag, unsere Nationalhymne gendergerecht umzutexten, hat für viel Wirbel im Netz gesorgt. Unser Reporter Martin Krinner hat sich durch die Kommentare gewühlt und mit dem Historiker Peter Mario Kreuter unter anderem über die Bedeutung der Nationalhymne gesprochen. Der sagt: "Ohne Hymne ist man kein Land".

"Heimat"- statt "Vaterland" und "couragiert" statt "brüderlich": In einem internen Brief hat die Gleichstellungsbeauftragte des Familienministeriums, Kristin Rose-Möhring, eine gendergerechte Umtextung der Deutschen Nationalhymne zur Diskussion gestellt. Darüber haben wir berichtet und euch auf Facebook nach eurer Meinung gefragt.

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Die Reaktion auf unsere Umfrage war überwältigend. Um die 600 Kommentare haben wir bisher unter dem Post gesammelt. Unser Reporter Martin Krinner hat sich die mal genauer angeschaut: "Viele Kommentare gingen natürlich in die übliche Richtung, wenn es um solche Genderthemen und politische Korrektheit geht." 

Die Nationalhymne ist ein Staatssymbol

Malte S. zum Beispiel schreibt: "Würde sich irgendetwas zum Besseren ändern, wenn man alles genderifiziert? Das ist ein Luxusproblem, worüber man erst diskutieren sollte, nachdem Armut, Hunger und Kriege aus der Welt geschafft wurden." Andere Nutzer nahmen den Vorschlag mit einer gewissen Portion Humor, sie haben zum Beispiel vorgeschlagen, Mannheim in Lebewesenheim umzubenennen.

"Ich votiere hiermit offiziell für eine genderneutrale Umbenennung der Stadt Mannheim in Menschheim! Um Gelder zu sparen und zukünftigen Trends voraus zu eilen, wäre auch über eine Umbenennung in Lebewesenheim nachzudenken."
Nico B. bei Facebook

Unsere Followerin Anna v. E. geht ein bisschen differenzierter an die Sache: "Ändern auf jeden Fall, aber der Vorschlag gefällt mir gar nicht. Mir würde es genügen, aus dem 'brüderlich' ein 'geschwisterlich' zu machen." Und dann gibt es Nutzer, die die Hymne gleich ganz abschaffen wollen. Das sieht der Historiker- und Sprachwissenschaftler Peter Mario Kreuter anders. Staatssymbole, denen man auch von seiten anderer Staaten Ehre erweisen kann, seien elementar für die Existenz als Staat. Sie seien zwar keine absolute Staatsbedingung, die würden heute anders definiert, aber sie dienen immer noch dazu ein Land nach außen zu repräsentieren.

"So wie die anderen Hoheitszeichen, so wie das Wappen oder auch die Flagge, dienen Staatssymbole dazu, staatliche Souveränität anzuzeigen und das Land zu repräsentieren. Ohne Hymne geht es tatsächlich nicht."
Peter Mario Kreuter, Historiker und Sprachwissenschaftler am Leibniz-Institut in Regensburg

Weitere Fragen, die in den Kommentaren auf Facebook heiß diskutiert wurden, waren: "Was heißt denn eigentlich brüderlich? Ist das vielleicht nur ein 150 Jahre alter Ausdruck, der das schwesterliche mit einschließt? Oder sind da eindeutig die Jungs mit gemeint?" 

Ja, sagt der Historiker, der gerade ein Buch über die Kulturgeschichte der europäischen Nationalhymnen schreibt. Mit Brüderlichkeit waren ursprünglich tatsächlich nur Männer gemeint. Denn nur Männer konnten brüderlich handeln und sich in einer Bruderschaft zusammenschließen. Peter Mario Kreuter fragt sich aber, ob  sich die aktuelle Debatte um die Nationalhymne überhaupt lohnt. Er schlägt stattdessen vor, dass wir uns in Sachen Gleichstellung erstmal um andere Sachen kümmern - zum Beispiel um den Gender Pay Gap, über den wir hier im Programm auch schon berichtet haben.

"Ich möchte da gerne meine Mutter, eine alte Gewerkschafterin zitieren: Es ist mir egal, ob ich Frau Kollege oder Frau Kollegin bin, es wäre einfach schön, wenn wir mal dafür sorgen, dass wir für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen."
Peter Mario Kreuter, Historiker und Sprachwissenschaftler am Leibniz-Institut in Regensburg

Hier gäbe es für eine Gleichstellungsbeauftragte noch ganz andere Dinge zu tun, sagt Kreuter, als sich an diesem Wort aufzuhängen.

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