• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Die Nationalsozialisten haben rund 200.000 Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen ermordet. Mit einer Kosten-Nutzen-Analyse, die kaum an Unmenschlichkeit zu übertreffen ist, haben sie diese sogenannte Aktion T4 gerechtfertigt.

Die Aktion T4 verdankt ihren Namen dem Sitz der Zentraldienststelle in einer Villa in der Berliner Tiergartenstraße 4. Diese Dienststelle ist eine Tarnorganisation der Kanzlei des Führers, die mit Planung und Durchführung der Morde an Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen beauftragt ist.

Neben anderen Tarnbezeichnungen für die Ermordung von Häftlingen oder Bewohnern von Heil- und Pflegeanstalten galt die Aktion T4 der Euthanasie von Erwachsenen.

Rassenideologie der Nationalsozialisten

Hinter dieser beschönigenden Bezeichnung steht die Rassenideologie der nationalsozialistischen Machthaber, die in einer gnadenlosen Kosten-Nutzen-Analyse von "Ballastexistenzen", "lebensunwertem Leben" oder "Fremdrassigen" sprechen und durch deren Vernichtung eine "Höherzüchtung oder Aufartung" der sogenannten "arischen Rasse" etablieren wollten.

"Stolperstein" des Künstlers Günter Demnig erinnert an Willy Zimmerer, der zum Opfer der sogenannten Behindertdenmorde durch die Nationalsozialisten wurde.
© imago
An Willy Zimmerer erinnert dieser Gedenkstein ("Stolperstein" des Künstlers Gunter Demnig), der 1944 in Hadamar den nationalsozialistischen "Behindertenmorden" zum Opfer fiel.

Zwangssterilisationen: Rechtliche Grundlage durch ein neues Gesetz

Begonnen hat dieser Prozess bereits im Sommer 1933 mit dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses". Laut diesem Gesetz wurden Menschen mit angeblich vererbbaren Krankheiten zwangsweise sterilisiert.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wird eine "Reduzierung durch Ausrottung von Erbkrankheiten" beschlossen, die etwa 70.000 Menschen betrifft.

Der Chef des Reichskriminalamtes besorgt die notwendigen Mittel zur Durchführung dieses staatlich beauftragten "Krankenmordes". Über ein Jahr wüten willfährige Ärzte hinter Krankenhaus- und Anstaltsmauern im Auftrag der Regierung und bringen mehr als 70.000 Menschen um.

Trotz massiven Protesten geht das Morden weiter

Der Protest in der Bevölkerung und von vielen katholischen Würdenträgern, wie dem Münsteraner Bischof Clemens von Galen, ist groß, sodass die Aktion T4 am 31. Januar 1941 gestoppt wird. Aber das Morden geht weiter, bis Mai 1945 sind mehr als 200.000 Männer und Frauen umgebracht worden, denen der NS-Staat "rassehygienische Untauglichkeit" vorgehalten hat.

Ihr hört in Eine Stunde History

  • Die Medizinhistorikerin Maike Rotzoll schildert Hintergründe und Verlauf der Aktion T4.
  • Eric Hilgendorf, Strafrechtler und im Beirat der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben e. V., beschäftigt sich mit dem Umgang mit Menschen mit Behinderungen vor und nach dem NS-Regime.
  • Margret Hamm vom Bund der Euthanasiegeschädigten berichtet vom Schicksal der im Dritten Reich zwangsweise sterilisierten Menschen.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erläutert den Weg, der in das Ermorden von angeblich 'erbkranken' Menschen geführt hat.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Felix Schledde berichtet vom Schicksal eines Mannes, der dem Vernichtungswillen des NS-Staates zum Opfer gefallen ist.