Das Magazin Nature hat zehn Frauen und Männer benannt, die 2019 für die Naturwissenschaften wichtig waren. Auch Greta Thunberg steht auf der Liste und ein Brasilianer, der für seine Arbeit gefeuert worden ist.

Mit den Nature's Ten listet das britische Wissenschaftsmagazin Nature jedes Jahr zehn Menschen auf, die die Wissenschaft geprägt haben – durch ihre Arbeit und ihre öffentliche Wirkung. In diesem Jahr sind es sechs Männer und vier Frauen. Die Liste in alphabetischer Reihenfolge:

Wir haben uns vier Personen genauer angesehen: Greta Thunberg hat 2019 bereits den Alternativen Nobelpreis bekommen und ist vom Time Magazin zur Person of the Year gewählt worden.

In der Begründung von Nature heißt es: Greta Thunberg habe weltweit die Schlagzeilen zum Kampf gegen die Klimakatastrophe bestimmt – und diese Aufmerksamkeit habe nicht nur Politik, und Wissenschaft inspiriert, sondern werde auch großen Einfluss auf die nächste Generation von Forschenden haben.

Zahlen zur Abholzung des Regenwalds

Auch der brasilianische Physiker Ricardo Galvão ist nicht wegen seiner wissenschaftlichen Ergebnisse allein ausgewählt worden. Er war bis zum Sommer 2019 Direktor des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE). Er veröffentlichte Daten zur Abholzung des brasilianischen Regenwaldes und wurde deswegen von dem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro öffentlich angegriffen und entlassen. Dieser hatte Galvãos Zahlen als fehlerhaft bezeichnet und behauptet, der Wissenschaftler stünde im Dienst einer Nichtregierungsorganisation.

"Verkürzt kann man sagen, dass die Zahlen Bolsonaro nicht gefallen haben. Er hat dem INPE und Ricardo Galvão vorgeworfen, dem Image Brasiliens schaden zu wollen."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin, über Ricardo Galvãos Konflikt mit Jair Bolsonaro

Die Zahlen, die Galvãos Institut veröffentlicht hatte, waren schockierend: Danach wurden im Juni 2019 in Brasilien 88 Prozent mehr und im Juli über 200 Prozent mehr Bäume gefällt als in den Vorjahresmonaten. Ricardo Galvão ist Anfang August zum Rücktritt gezwungen worden. Die Abholzung des Regenwaldes schreitet unvermindert voran.

Hirnaktivität, Ebola und Artenschwund

  • Der Neurowissenschaftler Nenad Sestan hingegen ist allein wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit auf der Liste. Ihm ist es in einem Experiment gelungen, in Gehirnen getöteter Schweine Hirnaktivität nachzuweisen. Seine Forschung hat Fragen aufgeworfen, ab wann ein Lebewesen eigentlich tot ist und ob wir unsere Vorstellungen vom Hirntod überdenken müssen.
  • Der Mikrobiologe Jean-Jaques Muyembe Tamfum aus der Demokratischen Republik Kongo leitet das Nationale medizinische Forschungszentrum im Kongo und kämpft seit über 20 Jahren gegen Ebola. Er hat Ebola mitentdeckt und leitet eine Forschungsgruppe, die ein vielversprechendes Gegenmittel gegen die Krankheit entwickelt hat, mit dem 90 Prozent der Ebola-Infizierten geheilt werden könnten – bei frühzeitiger Behandlung.
  • Die argentinische Ökologin Sandra Diaz ist auf der Liste, weil sie am Weltbericht zum Zustand der Natur mitgearbeitet hat. Dieser ist im Mai 2019 vom Weltbiodiversitätsrat vorgestellt worden. In dem Bericht hieß es, dass bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind und dass das Ausmaß des Artensterbens in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß gewesen sei.