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Forschende stapfen mitunter tagelang durch den Dschungel, um eine neue Tierart zu entdecken. Manchmal stolpern sie aber auch buchstäblich darüber, zum Beispiel auf dem Parkplatz neben dem eigenen geparkten Auto.

Im Dschungel Madagaskars, in den Baumkronen des brasilianischen Regenwaldes oder weit unter dem Meeresspiegel in der Tiefsee: Bisher unentdeckte Tierarten findet man oft an Orten, die für den Menschen nur schwer zu erreichen sind.

Manchmal befinden sich unentdeckte Tierarten auch buchstäblich vor unserer Nase oder unseren Füßen und wir sehen sie nur nicht. Egal, ob im Museum, im Stadtpark mitten in einer Großstadt oder auf einem Autoparkplatz. Aufmerksame Forschende haben neue Tierarten an vielen ungewöhnlichen Orten entdeckt.

Auf der Suche nach Exemplaren einer bestimmten Krötenordnung - bei einer Expedition in einem Nationalpark in Peru - haben Forschende 2019 eine neue Krötenart entdeckt.

Diese sogenannte 'Nasenkrötenart', also eine Krötenart, die sich durch eine besonders lange Nase auszeichnet, befand sich direkt neben dem parkenden Auto der Forschenden auf einem Parkplatz an einer dicht befahrenen Straße. Sie erhielt den wissenschaftlichen Namen Rhinella chullachaki.

"Aber nicht nur auf Parkplätzen, sondern auch mitten in einer Großstadt lassen sich auch heute noch neue Tierarten entdecken."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte
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2013 hat ein holländischer Evolutionsbiologe Menno Schilthuizen zusammen mit Hobbyforschenden gleich zwei neue Tierarten im Vondelpark mitten in Amsterdam entdeckt. Und zwar eine neue parasitäre Wespenart und eine neue Käferart. Beide waren nur wenige Millimeter groß, sodass sie wohl lange übersehen worden waren.

Nach den Beatles benannt

Die Wespenart wurde nach ihrem Fundort benannt. Sie erhielt den Namen Aphaereta vondelparkensis. Und die neue Käferart wurde nach den Beatles benannt: Ptomaphagus thebeatles.

Das hatte einen bestimmten guten Grund: Ganz in der Nähe der Fundstelle befindet sich das Hilton-Hotel, in dem John Lennon und Yoko Ono vor über 50 Jahren ihre berühmten "Bed-ins" begonnen haben: Sie haben im Bett liegend für den Frieden zu demonstriert.

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Früherer Zoodirektor konnte den Beweis für die Existenz der unbekannten Froschart nicht liefern

2008 hat ein Forschender der Rutgers University in New Jersey mitten in New York, genauer gesagt auf Staten Island, eine unbekannte Froschart entdeckt.

Die neue Froschart wurde Rana kauffeldi getauft. Benannt wurde sie nach Carl Kauffeld, einem früheren Direktor des Staten Island Zoo.

Schon in den 1930er-Jahren war er davon überzeugt, dass es dort eine unbekannte Froschart gibt, er fand allerdings nie einen Beweis dafür.

Der Frosch hält sich relativ bedeckt: Er quakt nur wenige Wochen im Jahr und seine Balzgesänge werden von denen anderer Froscharten meist übertönt. Das waren möglicherweise die Gründe dafür, dass man ihn nicht eher entdecken konnte.

Tags im Museum

Unsere nächste Verwandten im Tierreich, die Bonobos, wurden nicht im Dschungel Zentralafrikas entdeckt, sondern in der Sammlung des Kongo-Museums in Belgien.

Der deutsche Zoologe Ernst Schwarz fiel dort Ende der 1920er-Jahre ein sehr kleiner Affenschädel auf, der aufgrund seiner Größe als Schädel eines jungen Schimpansen katalogisiert worden war.

Als der Forschende diesen Schädel genauer untersuchte, erkannte er, dass die Knochennähte der Schädeldecke bereits fest verwachsen waren. Das ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es sich um ein ausgewachsenes Tier gehandelt haben muss. Diese Zwergschimpansenart wurde Bonobo genannt - die wissenschaftliche Bezeichnung ist Pan pansicus.

Olinguito, Anden-Makibär (Bassaricyon neblina)
© IMAGO | Nature Picture Library
Der Anden-Makibär oder Olinguito wurde in einem Museum entdeckt. Fälschlicherweise hatte man angenommen, dass es sich um einen Olingo handelt.

Expedition im Museum

US-amerikanische Forschende haben 2013 im National Museum of Natural History in Washington eine neue Tierart entdeckt. Das Team hat Museumstiere untersucht. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wollten herausfinden, wie viele Arten von Anden-Makibären, die auch als Olingos bezeichnet werden, es insgesamt gibt und wo sie leben.

Geringfügige Unterschiede im Aussehen

Dabei stellten sie fest, dass manche Exponate einen etwas anders geformten Schädel und dichteres Fell haben und durchschnittlich etwas kleiner sind als die bisher bekannten Olingos.

Genetische Untersuchungen verschafften den Beweis: Bei den vermeintlichen Olingos handelt es sich um eine bisher unentdeckte Art, den Olinguito (Bassaricyon neblina). Dieser Kleinbär stammt aus den nördlichen Anden. Sein Lebensraum befindet sich weit höher als der, in dem Olingos normalerweise leben.

Später ist es den Forschenden gelungen, auch lebende Tiere dieser Kleinbärenart in den Nordanden zu entdecken.