In einer neuen Partnerschaft bleiben viele Kriterien gleich, zum Beispiel wie sehr man sich gegenüber dem Partner öffnet. Konsequenz für eine nicht so gut laufende Beziehung: Vielleicht hilft es ja, an sich selbst zu arbeiten.

Es gibt viele Beispiele dafür, dass ein Partnerwechsel wohl die richtige Entscheidung war – etwa, wenn aus der neuen Partnerschaft eine Ehe hervorgeht, die viele Jahrzehnte bis zum Tod eines Partners Bestand hat.

Nun sind solche Beispiele entweder die Ausnahme oder sie können wissenschaftlich (noch) nicht ausreichend erklärt werden. Denn aktuelle Untersuchungen gehen eher von etwas anderem aus: Dass Probleme in einer Beziehung eher gleich bleiben – unabhängig davon, mit welcher Partnerin oder mit welchem Partner die Beziehung geführt wird.

Dazu haben haben Wissenschaftler der University of Alberta und der Friedrich-Schiller-Universität Jena Daten von 554 Probanden aus Deutschland ausgewertet, die – im Verlauf von acht Jahren – von einer Beziehung in eine andere gewechselt haben.

Mehr Sex, aber kein zufriedeneres Sexleben

Das Ergebnis (wenn man das Ende der ersten und die erste Verliebtheits-Phase der zweiten Beziehung unberücksichtigt lässt): Vieles bleibt gleich. Lediglich zwei Parameter verändern sich:

  • Die Partner haben mehr Sex
  • Sie bringen ihre Wertschätzung für die/den jeweils andere/n häufiger zum Ausdruck

Nahezu gleich bleiben dagegen unter anderem die Kriterien:

  • Zufriedenheit mit dem Sexleben
  • Wie sehr sich die Partner gegenüber den jeweils anderen öffnen
  • Wie häufig es zu Konflikten kommt
  • Wie sicher sich die Beteiligten sind, dass die Beziehung halten wird

Man bleibt sich treu

Die Ergebnisse kann man so und so deuten: Einerseits zeigen sie, dass wir uns auch in einer neuen Partnerschaft treu bleiben und unsere Persönlichkeit nicht verändern. Andererseits sieht es danach aus, als würden wir aus den Fehlern in einer Partnerschaft auch kaum lernen. Andere Forschungen zeigen, dass sich unsere Vorlieben bei neuen Partnern kaum verändern.

Die Ergebnisse könnten für Paare, die sich zum Beispiel viel streiten und sich nicht sicher sind, ob sie die Beziehung weiter führen wollen, zudem eine konstruktive Botschaft enthalten: Eine Beziehung muss gar nicht deswegen schlecht laufen, weil man nicht zueinander passt. Vielleicht sind einfach ein paar grundlegende Werkzeuge verloren gegangen, die benötigt werden für eine gutes Zusammenleben: Zum Beispiel, wie man miteinander spricht.

"Es gibt Alternativen zum destruktiven Streit."
Paartherapeut Georg Krause

Der Paartherapeut Georg Krause sagt, das sei ein wichtiger Ansatz: Er will in der Therapie Alternativen zum destruktiven Streit aufzeigen. Damit meint er Streits, in denen das eine Wort das andere ergibt und die Emotionen schnell hochkochen. Eine Möglichkeit: Der Monolog. Die Partnerin und der Partner erzählen nur von sich, von ihrem Gefühlen, von Kränkungen und von ihren persönlichen Problemen. Die und der andere hören nur zu und sagen: nichts. Anschließend wird die Rolle gewechselt.

Vielleicht hilft das ja. Denn im Zweifelsfall, zeigen zumindest aktuelle Umfragen, ist die alte Partnerschaft gar nicht schlechter als eine potenzielle neue.