Die Schweden wieder - wenn es um moderne Arbeitsmodelle geht, sind die Skandinavier immer dabei. Jetzt haben sie den Abschlussbericht für einen verlockenden Testlauf vorgelegt. Was passiert, wenn wir täglich nur sechs Stunden arbeiten statt acht?

Gleich in mehreren Unternehmen in Göteborg wurde der Sechs-Stunden-Tag getestet. Nun liegt ein erster Bericht vor. Darin haben sich Wissenschaftler konkret angeschaut, wie sich die Arbeitszeitumstellung bei 68 Mitarbeitern eines Pflegeheims ausgewirkt hat. Ganze zwei Jahre lang haben diese die verkürzte Arbeitszeit getestet. Und zwar bei vollem Lohnausgleich.

Weniger müde, weniger gestresst

Der Pflegeberuf ist ein anstrengender Job und so zeigen sich die positiven Effekte besonders beim Thema Entspannung und Stressempfinden. Die Pflegekräfte aus der Test-Einrichtung sagen ganz klar: Der gefühlte Stress hat abgenommen. Wenn sie jetzt nach Hause kommen, haben sie viel mehr Energie als früher, sind nicht mehr dauermüde, schlafen besser. Und sie sind insgesamt zufriedener mit ihrer Arbeit. 

Noch deutlicher wird dieses Ergebnis, wenn man sich anschaut, wie es dem Personal eines anderen Pflegeheims in der gleichen Zeit ergangen ist. Deren Mitarbeiter wurden als Kontrollgruppe ebenfalls befragt. Und während sich bei den 6-Stunden-Mitarbeitern die Stressbelastung zu 100 Prozent verbesserte, wurden die Werte in dem anderen Pflegeheim zu 50 Prozent schlechter.

Vergleichsfrust und Gesundheitsdruck

Eine Sache geben die Wissenschaftler aber bei der Interpretation der Daten zu bedenken: Auch psychologische Nebeneffekte könnten die Ergebnisse der Befragung beeinflusst haben. So ist der Mitarbeiter, der weiß, dass jemand bei weniger Arbeit das Gleiche verdient wie er, vielleicht schon von vorneherein frustriert. Im Gegenzug ist der Mitarbeiter, dessen Meinung endlich gehört wird, vielleicht allein durch diesen Umstand etwas positiver.

Aber was machen die Mitarbeiter nun mit der zusätzlichen freien Zeit? Zumindest zum Teil nutzen sie diese für mehr Sport. Die Pflegekräfte sagten, dass sie ihre Sporteinheiten um etwa 24 Prozent gesteigert hätten. Das ist dann eher ein moderater Effekt - selbst, wenn sie angaben, sich insgesamt "leicht besser" zu fühlen. Erst im Vergleich mit dem anderen Pflegeheim gewinnen die Ergebnisse an Bedeutung: hier sanken die Werte für Gesundheit und Zufriedenheit drastisch.

Zufriedenheit versus Finanzierung

Der echte Haken, ist aber ein anderer. Denn das Projekt war ganz schön teuer. Umgerechnet 680.000 Euro hat der Versuch die Stadt Göteborg gekostet. Das waren vor allem die Kosten für 15 neue Pflegefachkräfte, die eingestellt wurden, um die geringere Arbeitszeit auszugleichen. Bei 68 Mitarbeitern waren das für die zwei Jahre  etwa 10.000 Euro pro Person.

Um auswerten zu können, wie nachhaltig ein solches Modell am Ende ist, müsste der Untersuchungszeitraum jedoch noch länger sein: Sinken etwa langfristig Krankheitsausfälle, sodass eine Mehrbelastung ausgeglichen werden könnte? Ob das Projekt in Göteborg in die Verlängerung geht, bleibt fraglich. Neben der finanziellen Belastung, gibt es nämlich noch ein weiteres Problem: Gerade in Pflegeberufen fehlt es aktuell an Fachkräften.