Das Spiel beginnt mit der Machtergreifung durch Adolf Hitler. Am 30. Januar 1933 wurde er zum Reichskanzler ernannt. Genau damit fängt auch das Computerspiel "Through The Darkest Of Time" an. Das ist anders als andere Nazi-Spiele.

Wenn es in Computerspielen um den Zweiten Weltkrieg und den Terror der Nazis geht, wird meistens geballert, wie im Actionspiel "Wolfenstein". Die Nazisoldaten sind nicht viel mehr als Kanonenfutter für den übermächtigen Helden.

Alternative zu Wolfenstein und Co

Dass es auch anders geht, zeigt das Computerspiel "Through The Darkest Of Time". Es beschreibt die Reaktion einer Widerstandsgruppe: "Wir mussten etwas tun, wir durften nicht schweigen. Aber wir wussten auch: Es kann uns den Kopf kosten."

"Als Adolf Hitler 1933 zum Kanzler ernannt wurde, jubelten die Massen. Aber wir nicht. Wir wussten, dass nun schlimme Zeiten anbrechen würden."
Szene aus dem Computerspiel "Through The Darkest Of Time"

Darum geht's in "Through the Darkest Of Times": Hitler hat eben die Macht ergriffen, wir Spieler steuern nun eine Widerstandsgruppe von der Machtergreifung 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Ein wildes Kriegsabenteuer wie in "Wolfenstein" gibt es hier nicht, erklärt Arne Friedrich vom Spieleentwickler Paintbucket Games. Das Spiel fokussiert auf die Schicksale der Widerstandskämpfer.

"Es geht um diese Menschen, was sie durchgemacht haben, was sie für ein Leben hatten und wie schwierig das war."
Jörg Friedrich, Spieleentwickler Paintbucket Games
Through the Darkest of Times
© Through the Darkest of Times | Paintbucket Games
Die Entwickler des Spiels: Sebastian Schulz und Jörg Friedrich

Zivilisten schmieren Anti-Nazi-Parolen an Hauswände oder planen Sprengstoffattentate. Als Spieler verteilen wir diese Aufgaben an unsere kleine Gruppe von Widerstandskämpfern. Das fühlt sich fast wie ein Brettspiel an, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher. Ganz nebenbei werden die Geschichten der Menschen im Hitlerdeutschland erzählt. Die Ideen dazu haben Arne Friedrich und seine Kollegen in ihrer Heimatstadt Berlin gesammelt.

"Berlin ist so voll davon an jeder Ecke. Man kann eigentlich nicht durch die Straße laufen, ohne Stolpersteine zu sehen oder Tafeln an Häusern."
Jörg Friedrich, Spieleentwickler Paintbucket Games

Die Arbeiterinnen, Verkäufer oder Lehrerinnen im Widerstand sind keine realen Figuren der Geschichte. Aber im Spiel fühlen sie sich an, als könnte es sie tatsächlich gegeben haben. Weil sie mehr sind als bloße Spielfiguren: Das Spiel zeigt, was das Leben in Nazi-Deutschland mit ihnen macht, beschreibt Thomas. Sie bekommen den Terror hautnah zu spüren.

Kein Doku-Spiel

Im Spiel verknüpfen sich persönliche Erlebnisse mit großen Weltereignissen. Genau diese Idee macht das Spiel zu etwas Besonderem, findet die Historikerin und Bloggerin Aurelia Brandenburg: "Gerade, weil er eben in einem Medium Spiel bisher so gut wie nicht oder gar nicht stattfindet."

Through the Darkest of Times
© Through the Darkest of Times | Paintbucket Games
Die Entwickler des Spiels: Sebastian Schulz und Jörg Friedrich
"Diesen Perspektivenwechsel auf Leute, die eigentlich ganz normale Probleme haben, und dann aber in diese Situation kommen, dass eben um sie herum eine Diktatur entsteht – Das ist so ein Perspektivenwechsel, der, finde ich, durchaus wichtig ist."
Historikerin und Bloggerin Aurelia Brandenburg

In den meisten Games schlüpfen wir als Spieler in die Rolle des Superhelden, der im Alleingang den Krieg beendet und die Welt rettet. "Klar, dass das ein ziemlich unrealistisches Szenario ist", meint Aurelia Brandenburg. Oder man spielt einen General, der über ganze Armeen kommandiert. Aber ganz nah an einzelne Menschen, an die Opfer, gehen Computerspiele selten.

Geschichte wird erfahrbar

In "Through the Darkest of Times" können die Spieler nicht den Lauf der Geschichte ändern. Egal, wie gut sie spielen: Die Judenvernichtung, der Weltkrieg, Millionen von Toten sind unvermeidbar. Das will das Spiel spürbar machen und erzählen – und von ein paar unbekannten Widerstandskämpfern, die vielleicht einigen Menschen das Leben retten, trotz allem nicht aufgeben und so einen Unterschied machen.