Neuralink, ein Unternehmen von Elon Musk, hat einem Schwein ein Hirnimplantat eingesetzt, das Daten auf ein Smartphone übertragen kann. Musk kündigt an, was damit alles möglich sein könnte. Bei manchem übertreibt er etwas.

Eine Art Disclaimer vorweg: Das neue Hirnimplantat, eine Mensch-Maschine-Schnittstelle, würde womöglich nicht ganz so viel Aufmerksamkeit erregen, wenn es nicht von einem Unternehmen von Elon Musk entwickelt worden wäre, der gerade nicht nur die Elektromobilität und das Satelliteninternet voran bringt, sondern sich mit seinem Unternehmen Neuralink auch noch um Biotech-Themen kümmert.

Elon Musk hat einen Chip-Prototypen präsentiert, der Informationen zwischen menschlichen beziehungsweise tierischen Neuronen und einem Smartphone überbrücken kann. Der Chip hat die Form einer Platte mit einem Durchmesser von rund zwei Zentimetern und einer Dicke von acht Millimetern. Er wurde ins Gehirn eines Schweins eingesetzt, dazu wurden 1000 ultradünne Elektroden mit Gehirnzellen verbunden.

"Elon Musk sagte bei der Präsentation: Das Gerät, das per Bluetooth mit einer App auf dem Smartphone kommuniziert, könnte den Träger vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall warnen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Da der Chip eine Verbindung zu einem Smartphone herstellen kann, konnten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bestimmte Signale erkennen; wenn das Schwein zum Beispiel mit der Nase etwas berührt hat. Auch konnten sie per Software bestimmen, welche Gelenke zu welchem Zeitpunkt gerade aktiv waren. Das haben sie mit den Bewegungen des Schweins auf einem Laufband abgeglichen.

Prinzipiell hat Elon Musks Firma Neuralink eine Mensch/Tier-Maschine-Schnittstelle entwickelt, die funktioniert. Musks Vision: Womöglich können mithilfe eines solchen Chips Sehstörungen beseitigt und Querschnittsgelähmte zum Laufen gebracht werden.

Der aktuelle Prototyp ist von diesem Szenario aber noch weit entfernt. Er enthält erst einmal nur Druck-, Temperatur- und Bewegungssensoren, mit denen die Gesundheit von Menschen überwacht werden könnte. Vorausgesetzt ein Mensch will sich einen solchen Chip überhaupt einsetzen lassen.

Brain-Upload wird es nicht geben

Generell hat Neuralink kein bahnbrechend neues Produkt entwickelt, schreibt Enno Park, Vorsitzender des Vereins "Cyborg", im Online-Magazin "t3n". Es gebe schon viele Mensch-Maschine-Schnittstellen und Möglichkeiten, das Gehirn mit Elektroden zu verbinden, um Signale zu übertragen. "Technisch gesehen ist Neuralink dennoch sehr beeindruckend", schreibt Enno Park. Das liege vor allem an der Beschaffenheit der dünnen Elektroden, die sich mit dem Gehirn verbinden.

Es sei durchaus denkbar, dass zum Beispiel Menschen mit Seh- oder körperlichen Beeinträchtigungen von einem Hirnimplantat profitieren können. Wovon Enno Park hingegen nicht ausgeht, ist, dass es bald eine Art Gehirn-Upload geben wird – also eine Übertragung von Daten in unseren Kopf. Technisch sei das noch nicht ansatzweise möglich, beschreibt er, weil ein solches Implantat wesentlich kleiner sein müsste und verteilt in tiefe Hirnregionen eingepflanzt werden müsste.