Dass Schlaf uns hilft, knifflige Probleme zu lösen, ist bekannt. Wie der traumlose Tiefschlaf und der REM-Schlaf - bei dem sich die Augen schnell hin- und herbewegen - dabei zusammenwirken, haben Forscher der Universität Cardiff nun untersucht. 

Neurowissenschaftler Henning Beck vergleicht unser Gehirn im Wachzustand mit der Situation, wenn wir am Schreibtisch sitzen und sekündlich kommen neue E-Mails, Chatnachrichten und Telefonate rein. Das ist der Moment, wenn wir ein wenig den Überblick verlieren, weil so viele neue Informationen auf uns einprasseln. Im Arbeitsalltag schließen wir dann womöglich das E-Mail-Postfach für eine Stunde, oder leiten das Telefon auf den Anrufbeantworter um. Auch das Hirn braucht solche Ruhephasen: Es nutzt die Zeit während des Schlafs, um Ordnung in unser gedankliches Chaos zu bringen.

"Wenn wir Schlafen überlegt sich das Gehirn, was im Laufe des Tages alles passiert ist. Und in so einer ruhigen Zeit kann das Problem im Gehirn neu verarbeitet werden. Nur dann können wir auch auf neue Lösungen kommen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler
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Die Wissenschaftler der Universität Cardiff gehen davon aus, dass sowohl die REM-Schlafphase, in der wir träumen und sich unsere Augen schnell hin- und herbewegen, als auch die traumlose Tiefschlafphase eine wichtige Rolle spielen für das Lösen von gedanklichen Problemen. Mehr noch, es ist die Kombination von beiden, die uns hilft, kreative Lösungen während des Schlafs zu finden.  

Ordnen, sortieren, kategorisieren

  • In der traumlosen Tiefschlafphase (non-REM) werden die wichtigen Dinge des Tages kategorisiert und in verschiedene Zusammenhänge eingeordnet. Das hilft uns dann dabei, dass wir uns diese Sachen besser merken können. 
  • In der REM-Phase werden die unterschiedlichen Dinge des Tages gleichzeitig abgespult. Dabei kommen verschiedene Assoziationen zustande. Durch Gedankensprünge assoziiert unser Gehirn Dinge, die nicht offensichtlich etwas miteinander zu tun haben. 

Durch die Kombination und Abwechslung beider Schlafphasen entstehen neue gedankliche Zusammenhänge, die uns dabei helfen, neue kreative Problemlösungen zu finden.

"Der Schlaf ist eine reizfreie Umgebung, in der das Gehirn mal in Ruhe sortieren kann."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Wer ein gedankliches Problem hat, das er nicht lösen kann, soll sich erst einmal "reinwühlen und damit beschäftigen", sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck. "Wenn ich nur schlafe, komme ich auch nicht auf gute Lösungen."

Problemlösung durch Schlaf

Eine Nacht über ein Problem zu schlafen hilft vielen Menschen, sagt Henning Beck. Viele Studien haben festgestellt, dass diese Menschen am nächsten Tag:

  1. besser kapiert haben, um was es geht
  2. sich an mehr Dinge erinnern können
  3. häufig einen neuen Blick auf das Problem bekommen haben

Tipp vom Neurowissenschaftler

Wer im Schlaf eine Lösung findet, sich aber nach dem Aufwachen nicht mehr daran erinnern kann, sollte sich Papier und Bleistift auf dem Nachttisch zurechtlegen. Wer sich diese nächtlichen Erleuchtungen sofort nach dem Wachwerden aufschreibt, kann dem Gedächtnis so ein Schnippchen schlagen.

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