Obwohl #NeverWarren ursprünglich gegen die US-Senatorin Elizabeth Warren und ihren Ambitionen im US-Präsidentschaftswahlkampf gesetzt wurde, ist der Hashtag bei Twitter gut für sie. Ihre Befürworter haben dafür gesorgt, dass #NeverWarren trendet - und das nutzen sie für ihre Kandidatur.

Nach dem Fernsehduell zwischen den beiden Kandidaten, die für die Demokraten in den US-Wahlkampf ziehen wollen - Bernie Sanders und Elizabeth Warren - hat #NeverWarren einen Tag lang die Trends bei Twitter in den USA dominiert. Ursprünglich richtet sich der Hashtag gegen die Kandidatur der demokratischen US-Senatorin. Aber ausgerechnet die Warren-Befürworter haben dafür gesorgt, dass der Hashtag trendet, schreiben US-Techblogs.

NBC Reporter Ben Collins hat zuerst darüber berichtet, dass viele der Tweets mit dem Hashtag #NeverWarren User teilen und kommentierten, die Elizabeth Warren verteidigen wollten. Dadurch haben die Warren-Befürworter dem Hashtag erst eine große Reichweite verschafft. Der Twitter-Algorithmus verstärkt solche Beteiligungseffekte und trennt sie nicht inhaltlich voneinander.

Vom Tweet zum Trend

Zwar beginne ein Twittertrend oft mit einem einzelnen Tweet eines Nutzers, automatisierte Accounts, also Bots, greifen den Hashtag dann auf und verbreiten ihn weiter. Diesen Ablauf beschreibt Filippo Menczer. Er ist Professor für Informatik und Computerwissenschaften an der Indiana University.

Das Techblog Fast Company erklärt, dass Twitter mittels seiner Algorithmen die einzelnen inhaltlichen Positionen eines trendenen Hashtags nicht berücksichtigt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

"Das Problem dahinter ist, dass der Twitter Algorithmus die Ladung der Stimmen, die zu einem Hashtag schreiben, nicht auseinanderhalten kann."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die virtuellen Twitter-Scharmützel eines Bruchteils der Bevölkerung haben durchaus Auswirkungen auf das analoge Leben. Im Fall #NeverWarren führt das unter Umständen dazu, dass Warren-Befürwortern und Warren-Gegnern der Konflikt größer vorkommt als er in Wirklichkeit ist.

"Twitter gaukelt beiden Lagern vor, dass man so richtig Beef miteinander hat. Und wenn dir jemand erfolgreich suggeriert, dass du angegriffen wirst, dann passiert es leicht, dass du anfängst, die anderen zu hassen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Durch diese Mechanismen fühlt sich Whitney Philipps an die Situation im Jahr 2016 erinnert, das Jahr des letztlich erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampfs des Republikaners Donald Trump. Die Professorin für Medienkompetenz an der Syracuse University, nimmt an, dass 2020 die gleichen Desinformationskampagnen laufen wie im Jahr 2016. Der beschriebene Effekt um #NeverWarren sorgt im US-Präsidentschaftswahlkampf 2020 schon jetzt für Nervosität.