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Krankenpflegerin Nina Böhmer ist nur bedingt für einen harten Lockdown. Im Moment gebe es sehr viel zu tun, allerdings: Das Problem, dass Stationen in Krankenhäusern überlastet sind, habe es schon lange vor Corona gegeben.

Das Bundesland Sachsen hat angekündigt: Ab kommendem Montag (14.12.) gilt dort ein harter Lockdown. Schulen, Kitas und die meisten Läden bleiben dann bis zum 10. Januar geschlossen. Die strengen Maßnahmen seien eine Reaktion auf die stark steigenden Infektionszahlen, so die Landesregierung. Und damit tut sie das, was inzwischen von vielen Seiten empfohlen wurde, unter anderem von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Das öffentliche Leben für ein paar Wochen weitgehend ruhen zu lassen. Unterzeichnet haben diese Forderung auch der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, und RKI-Chef Lothar Wieler.

Grippe und Lungenentzündungen sorgen immer für viel Arbeit um diese Zeit

Bei den strengen Corona-Beschränkungen geht es immer auch darum, zu verhindern, dass die Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenze kommen. Doch wie ist die Lage dort eigentlich gerade?

Nina Böhmer ist 28 Jahre alt und hat zu Beginn der Corona-Pandemie das Buch geschrieben: "Euren Applaus könnt ihr euch sonst wohin stecken." Die Krankenpflegerin aus Berlin arbeitet in verschiedenen Kliniken und erlebt es derzeit tatsächlich, dass viele Krankenhäuser sehr voll sind. Allerdings, sagt sie, sei es in vergangenen Jahren um diese Zeit immer ähnlich gewesen.

"Wir sind am Limit – die ganze Zeit."
Nina Böhmer, Krankenpflegerin

Für die Krankenpflegerin ist das Problem nicht neu. Lungenentzündungen, Menschen, mit schweren Grippeverläufen – um diese Jahreszeit sei in den Krankenhäusern immer viel zu tun, nicht erst seit Corona. Nina Böhmer sieht das Problem darin, dass schon lange im Bereich der Krankenhäuser gespart worden sei: "Deswegen passiert das dann schnell, dass es zu Engpässen in der Versorgung kommt." Vor allem die Versorgung von Patienten auf Intensivstationen – Patienten, die beatmet werden müssten – sei sehr zeitaufwändig.

"Wenn immer mehr Patienten nachkommen, dann ist es irgendwann zu viel, weil Personalmangel herrscht."
Nina Böhmer, Krankenpflegerin

Nina Böhmer findet es sinnvoll, über härtere Corona-Beschränkungen zu sprechen, damit sich die Belastung in den Krankenhäusern noch bewältigen lässt. "Aber", sagt Nina, "hätte die Politik nicht den jahrelangen Pflegenotstand ignoriert, dann hätten wir eigentlich eine gute Krankenhausversorgung." Die Krankenpflegerin ist außerdem der Meinung, dass genau geschaut werden sollte: Wo gibt es Infektionsherde, bei welchen Einrichtungen macht es Sinn, dass wir sie schließen und wo nicht.

12-Stunden-Schichten in Niedersachsen

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde viel über die Arbeitsbedingungen beim Pflegepersonal diskutiert. Nina Böhmer sagt, dass sie bisher keine Verbesserungen spüren kann. Zum Beispiel werde bei der Schutzkleidung gespart. Die Krankenpflegerin müsste etwa mit einer Schutzmaske pro Tag auskommen. Und in manchen Krankenhäusern seien 12-Stunden-Schichten völlig normal. Nina sagt, sie und ihre Kollegen seien gefrustet: "Weil wir verheizt werden."