Manspreading - also das breitbeinige Sitzen auf eineinhalb bis zwei Sitzen - ist eine meist männliche Unart. In Madrid sagen jetzt Schilder in U-Bahnen: So nicht!

11.000 Unterzeichner haben sich in einer Online-Petition dafür eingesetzt, dass die entsprechenden Schilder gegen das breitbeinige Sitzen aufgehängt werden. Daraufhin haben sich die Verkehrsbetriebe in Madrid mit einer feministischen Gruppe zusammengetan und die Anti-Manspreading-Schilder entwickelt.

Ähnliche Aktionen gab es bereits in US-amerikanischen Städten. In Seattle breitet sich auf einem Schild ein lila-farbener Oktopus über mehrere Sitze aus. In New York wurde vor drei Jahren der Schriftzug gezeigt: "Dude, stop the spread, please. It's a space issue."

Geringes Problembewusstsein

Dass Männer angeblich vor allem breitbeinig sitzen müssen, etwa aus gesundheitlichen Gründen, lässt sich wissenschaftlich nicht begründen. Sozialwissenschaftler gehen eher von einer Art Territorialverhalten aus.

So erklärt ein Sozialwissenschaftler dem Online-Magazin "Vice" zum Beispiel, dass viele Männer das Gefühl vermittelt bekämen, ihnen würde etwas zustehen. Entitlement nennt sich das. Und deshalb haben sie auch kein schlechtes Gewissen, wenn sie es dann auch tun - also Platz einnehmen.

"You notice, every man on the train has their legs wide open. But you have to!"
Ein männlicher Passagier der New Yorker U-Bahn

Vor allem in den USA wird das Phänomen auch wissenschaftlich untersucht. Collegestudenten hatten 5000 Subway-Passagiere in mehr als 20 verschiedenen U-Bahn-Linien beobachtet und herausgefunden: 26 Prozent der Männer hatten ihre Beine weit geöffnet. Eine ähnliche Studie aus demselben Jahr kam auf weniger Prozent. Trotzdem wurde bei beiden Studien deutliche: Das Phänomen taucht mit signifikanter Häufigkeit auf.

Aber nicht nur Männer nehmen sich einfach Platz. Ein ähnliches Problem gibt es auch bei Frauen: Nämlich bei denen, die zum Beispiel ihre Taschen auf den Sitz stellen ("Bagging"). Aber das ist kein exklusiv weibliches Phänomen, es gibt auch Männer, die sowas machen. Und klar, auch Frauen sitzen bisweilen breitbeinig in der U-Bahn. Am Ende ist beides unverschämt, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Kohn.

"Das Bagging macht das Spreading nicht ok."
Anna Kohn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin