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Am 28.09.2021 hatte das lange Warten ein Ende: Der 25. Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" hat in London große Weltpremiere gefeiert. Wir sagen euch, ob sich der voraussichtlich letzte 007-Film mit Daniel Craig lohnt.

Kaum ein anderer Film stand so für die Kino-Krise während der Pandemie wie der 25. Bond: Eigentlich war er schon für Ende 2019 geplant, der angepeilte Starttermin wurde dann aber wegen der Pandemie mehrmals verschoben.

Anna Wollner hat ihn für Deutschlandfunk Nova gesehen. Nach den 163 Minuten habe ihr ordentlich der Schädel gebrummt, hat sie uns erzählt. Nicht nur wegen der fast drei Stunden, sondern auch, weil ordentlich Druck von ihr abgefallen sei – was sie selbst absurd findet. Denn den Druck hatten ja nie die Zuschauer, sondern die 007-Macher: Fast zwei Jahre lang ist der Film liegen geblieben – und wurde dabei natürlich immer teurer. Schon anrollende Marketingkampagnen mussten wieder gestoppt werden. Außerdem saß den Verantwortlichen die Angst im Nacken, der Film könnte altern.

Mehr Psychothriller als Actionfilm

Die Sorge mit dem Altern sei aber unberechtigt, sagt Anna Wollner. In dieser Hinsicht sei "No time to die" fast schon zeitlos. Natürlich sei es ein Actionfilm, bei dem Daniel Craig als 007 die Welt retten muss. Allerdings macht er das in seinem voraussichtlich letzten Auftritt als 007 "so ein bisschen wider Willen", sagt Anna Wollner.

"Daniel Craig muss als 007 die Welt retten – diesmal tut er das aber so ein bisschen wider Willen."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova

Was den neuen Bond von allen bisherigen 24 Filmen der Reihe unterscheidet: Er sei eigentlich mehr ein Psychothriller als ein Actionfilm, analysiert unsere Filmfrau. Obwohl es von der Action natürlich ausreichend gibt: zum Beispiel eine Verfolgungsjagd durch ein italienisches Bergdorf oder eine Militäranlage auf einer Insel oder ein Duell auf einem alten Fischkutter in den norwegischen Wäldern, fast schon mystisch angehaucht mit viel Nebel.

Wenig Hochglanz, viele bewusste Unschärfen

Vor allem die Optik sei eine ganz andere als die, die wir gewohnt sind: Es gebe kaum Hochglanzaufnahmen, sondern eher viele Unschärfen. Die Kamera ist oft sehr nah an Bond dran, gerade in den Nahkampfszenen. Es sei fast schon eine Videospielästhetik, sagt Anna Wollner.

"Bond ist eigentlich ein gebrochener Mann und diese Verletzlichkeit sieht man Daniel Craig wirklich an."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova

Der Film präsentiere Bond, wie wir ihn noch nie gesehen haben und vermutlich auch nie wieder sehen werden. Das liege vor allem an Daniel Craig selbst. Er spiele den Agenten als gebrochenen und verletzlichen Mann – mit verschmitztem Charme und Kampfstärke, aber kaum noch Glamour.

Für unsere Kritikerin ist der 25. 007-Streifen "einer der besten Bonds". Neben "Casino Royal" und "Skyfall" sei er bei den Craig-Bonds definitiv in den Top 3.

Als Einstieg schwierig

Für Nicht-Bond-Fans sei "No Time To Die" dagegen schwierig, sagt Anna Wollner. Denn es ist und bleibt natürlich ein Agentenfilm mit ziemlich viel Action. Außerdem werde die Geschichte von Spectre weitererzählt, sodass es Bond-Einsteiger schwer haben dürften, dem Plot ohne Vorwissen zu folgen. Der Erzählbogen wird sogar bis zu "Casino Royal" und dem Tod von Vesper Lund zurück gespannt, Bonds großer Liebe, den er nie verkraftet hat. Lea Seydoux als Madeleine Swann ist genauso wieder dabei wie Christoph Waltz als Bösewicht Bloefeld.

Auch ganz klar Fanservice sind Anspielungen auf alte Bond-Filme, die man natürlich nicht versteht, ohne diese alten Bonds zu kennen. Beispiel: Wenn Daniel Craig in Jamaika im vorzeitigen Ruhestand ist und rumläuft wie ein Sean-Connery-Double, mit viel zu knapper Badehose und zu kurzem T-Shirt.

Wandel: Bond und die Frauen

James Bond an sich ist eigentlich eine total antiquierte Filmfigur, sagt Anna Wollner. Aber sie hat sich über die Jahre sehr verändert. Frauen auf den Hintern zu hauen oder sexistische Sprüche rauszuhauen funktioniert heute nicht mehr. Stattdessen gibt es Versuche, sie zu modernisieren.

Den Einfluss der Autorinnen Cary Fukunaga und "Fleabag"-Erfinderin Phoebe Waller-Bridge auf das Drehbuch sei deutlich zu spüren, gerade was die Frauenfiguren angeht: Sowohl Ana de Armas als kubanische Agentin mit sehr viel Stil als auch Lashana Lynch als direkte Konkurrentin von Bond würden sich beide nicht von ihm unterbuttern lassen.

"Bonds Umgang mit Frauen und auch der Umgang der Frauen mit ihm hat sich gewandelt. Da ist er vollkommen in der Post-MeToo-Ära angekommen."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova

Der neue Bond sei nicht nur in der Post-MeToo-Ära angekommen. Er sei auch – und das mit Selbstironie – ökologischer geworden: Statt mit dem Speedboot ist Daniel Craig zum Beispiel mit dem Segelboot unterwegs.

Unser Bild oben zeigt Lashana Lynch, Daniel Craig und Lea Seydoux bei der Weltpremiere von "No Time To Die" am 28.09.2021 in London.