K-Pop ist in Südkorea sehr beliebt. In Nordkorea allerdings illegal. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die 20-köpfige Frauenband "Moranbong" gegründet und betreibt erfolgreich Propaganda mit der Popband. 

Der Sound der 20-köpfigen Frauenband Moranbong erinnert an den Synthiepop der 1980er Jahre. Der Vergleich mit Modern Talking drängt sich beim ersten Hören sofort auf. Statt zwei Männern singen, tanzen und musizieren bei Moranbong 20 Frauen. Manche Bandmitglieder spielen E-Gitarre und Schlagzeug. 

Glitzerkleider oder Militäruniformen

Bei ihren Konzerten tragen sie wahlweise kurze Glitzerkleider oder hochgeschlossene Militäruniformen. Und alle sind Soldatinnen. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat eine eigene Girlband gegründet, um dem in Nordkorea illegalen südkoreanischen K-Pop etwas entgegenzusetzen. Moranbong bedeutet auf Koreanisch "Pfingstrosenhügel". Über Bandnamen, Songtexte und Bühnenshow entscheidet das nordkoreanische Regime, das die Popularität der Band für Propagandazwecke nutzt.

"Vielleicht wurde die Moranbong Band gegründet, um mit der südkoreanischen Popkultur zu konkurrieren. K-Pop aus Südkorea kommt illegal über die Grenze. Um damit mithalten zu können und gleichzeitig die eigenen Werte zu bewahren, muss sich Nordkorea anpassen."
Sherri Ter Molen, Dozentin für Koreastudien

Moranbong singen darüber, dass sie stolz sind, Teil eines sozialistischen Nordkoreas zu sein. Wer nicht dazugehört, soll zurückgelassen werden. Dass sich Moranbong an K-Pop aus Südkorea orientiert, erscheint der amerikanischen Dozentin für Koreastudien Sherri Ter Molen als Strategie. Sie vermutet, dass Kim Jong Un den Menschen in Nordkorea eine Alternative zum verbotenen K-Pop aus Südkorea geben will. Auch der finnische Politikwissenschafler Pekka Korhonen hat sich auf Nordkorea spezialisiert und kennt die Musik der Band gut. Für ihn ist sie ein Teil einer subtilen Beeinflussung durch das diktatorische Regime: Machtausübung durch Kunst. Auf Youtube veröffentlichte Clips der Band erzielen über eine Million Klicks. 

Moranbong Band.
© imago | Kyodo News
"In order to have good propaganda you must have high-class art. Music is one way of using soft-power. To make the elites or northkorea more warmer, more enticing for the rest of the world.“
Pekka Korhonen, Politikwissenschaftler

Wenn die Moranbong Band bei ihren Konzerten auf riesigen Bildschirmen im Hintergrund Ausschnitte aus Disneyfilmen zeigt, oder sogar die Titelmelodie des Kinofilms Rocky covert, dann ist das auch ein Signal an den Rest der Welt. Es soll das Bild von Nordkorea ändern. Nordkorea möchte nicht mehr nur als die kalte, abgeschlossene Diktatur wahrgenommen werden, sondern eben auch als ein Land, in dem Popkultur möglich ist, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kristin Schenten.

Moranbong spiegelt die aktuelle Atompolitik Nordkoreas

Auffällig war beim Neujahrskonzert, dass die kurzen Röcke durch lange Militärmäntel und dicke Fellmützen ersetzt wurden. Die Band, die in den vergangenen Jahren äußerlich und musikalisch eigentlich immer mehr in Richtung K-Pop gegangen ist, macht jetzt einen Schritt zurück, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann Kristin Schenten. Sie schätzt das als eine Reaktion auf die aktuelle Atompolitik von Nordkorea ein. 

Mithilfe der Moranbong Band scheint das nordkoreanische Regime der Bevölkerung zeigen, zu wollen, wie militärische Disziplin aussehen kann. Für den Machthaber des Landes scheint sich die Investition in das erfolgreiche Propagandamittel "Morangbong" zu lohnen. In Zukunft könnte es mehr Bands wie Moranbong in Nordkorea geben. Moderner Pop hilft der Diktatur dabei, musikalisch und politisch auch international mitzumischen.