Erinnerungen sind immer auch eine kleine Zeitreise. Zurück in die Vergangenheit. Zu einem Moment, der uns besonders glücklich gemacht hat zum Beispiel. Und dann fühlen wir es wieder. Dieses Glück von damals. Noch schöner ist das natürlich, wenn sich Menschen gemeinsam erinnern.

Kein Wunder also, dass Menschen, die sich gerne an ihre Schulzeit erinnern, später auch mindestens genau so gerne Klassentreffen besuchen. Da wird dann gemeinsam an der Zeituhr gedreht und ab geht's zurück in die Schulzeit. Selbst über die peinlichsten Geschichten wird dann gelacht. Weil alle wissen: Das ist vorbei. Das kommt so nicht wieder. Und deshalb ist das jetzt so lustig, wie es damals eben peinlich war, erklärt Daniel Rettig. Er hat ein Buch darüber geschrieben, warum Nostalgie uns glücklich macht.

"Wenn wir alles noch einmal erleben könnten, dann bräuchten wir die Erinnerung nicht. Wir realisieren bei bestimmten Abschnitten im Leben, dass alles endlich ist. Es ist das bittersüße Gefühl der Nostalgie."
Daniel Rettig weiß, warum wir uns so gerne erinnern

Mit dem Abschlusszeugnis endet eine ziemlich lange Zeitspanne, die so nicht mehr zurückkommt. Wir werden nie wieder in dieser Konstellation an diesem Ort aufeinandertreffen. Nie wieder werden immer die gleichen zu spät kommen, immer die gleichen sich ständig melden und immer die gleichen ihre Hausaufgaben vergessen. Und je länger diese Zeit hinter uns liegt, desto verklärter wird der Blick auf das Vergangene. Und plötzlich wünschen wir uns zurück. Aber eben auch nur deshalb, weil wir wissen, dass es nicht mehr geht. Denn selbstverständlich gab es Hunderte Tage, an denen wir die Schule verflucht haben. Aber das vergessen wir natürlich gerne.

"Es ist sinnvoll, und das ist auch erwiesen, dass man im Rückspiegel des Lebens die rosarote Brille aufsetzt. Weil es uns besser damit geht."
Buchautor Daniel Rettig über den Sinn von Nostalgie

Nostalgie als Krankheit

So positiv wir heute mit dem Thema Nostalgie umgehen, so negativ wurde dieses Gefühl im 17. Jahrhundert bewertet. Damals galt Nostalgie als tödliche Krankheit. Sie sollte vor allem diejenigen befallen, die ihre Heimat verließen. Die Mediziner damals glaubten sogar, dass die Nostalgie sich im ganzen Körper breit machen konnte. Mit zunehmendem medizinischem Fortschritt stellten die Wissenschaftler dann irgendwann fest, dass das Gegenteil der Fall ist.

Hinzugekommen ist auch die Erkenntnis, dass das Bedürfnis der Menschen nach Nostalgie gesellschaftlichen Schwankungen unterlegen ist. Das ist weniger eine Art Mode. Die Nostalgie erfüllt einen anderen Zweck: sie vermittelt uns Sicherheit in Phasen, in denen die Zukunft eher ungewiss ist.