In den Niederlanden wird das Nutria stark bejagt, weil es die Deiche durchlöchert und destabilisiert. Mittlerweile sind sie auch eine echte Gefahr für die Bundesländer Niedersachsen und Bremen und werden immer öfter zum Abschuss freigegeben.

Das Nutria, auch Biberratte genannt, stammt ursprünglich aus Südamerika. Vor ungefähr 50 Jahren wurde der Nager besonders in den neuen Bundesländern zu Zeiten der DDR gezüchtet, um den wertvollen Nutria-Pelz zu nutzen.

Nach der Wiedervereinigung wurden die Tiere freigelassen und breiteten sich nach Westen bis in die Niederlande aus. Und überall dort, wo die Bevölkerung permanent von Überschwemmungen und Hochwasser bedroht ist, werden Nutrias zum Problem. Zum Beispiel in Niedersachsen und Bremen.

Nutrias gefährden den Hochwasserschutz

Deiche für den Hochwasserschutz sind die idealen Biotope für Nutrias. Die Tiere durchlöchern die Schutzbarrieren mit Gängen, die sechs Meter lang und 20 bis 40 Zentimeter breit sein können.

Außerdem finden Biberratten Schilf besonders schmackhaft. Nur soll das eigentlich die Gräben an den Deichen schützen, die ein wichtiger Faktor für das Ökosystem vor Ort sind. 

"Die Veränderungen sehen wir hier, die sind massiv, wir hatten vor einiger Zeit noch in der Mitte dieses Bereiches Schilfpolder, die sind komplett verschwunden."
Marcus Henke, Jäger der Landesjägerschaft Bremen

Verschwindet das Schilf, verschlammen und versanden die Gräben. In der Folge müssen sie immer öfter ausgebaggert werden, und die dort lebende Teichmuschel gerät in Stress und kann sich nicht mehr reproduzieren. Das wiederum gefährdet den Bitterling, einen geschützten Fisch.

So wird das sensible und komplexe Ökosystem am Deich immer stärker gestört und bedroht, aber auch Unesco-Weltkulturerbe wie das Bremer Rathaus und der Bremer Roland, die bei einem Deichbruch von Wassermassen gefährdet wären.

Nutrias vermehren sich explosionsartig

Aus Sicht des Jägers Marcus Henke dürfen Naturschutzgebiete wie die am Deich in Bremen weder von Mensch noch Tier verändert werden. Da sich das Nutria aber nicht daran hält, werden die Tiere in Niedersachsen und auch in Bremen immer stärker bejagt.

"Also man sagt theoretisch ist ein Nutria-Paar in der Lage, innerhalb von drei Jahren 16.000 Nachkommen zu erzeugen."
Marcus Henke, Jäger der Landesjägerschaft Bremen

In Anbetracht der Reproduktionsrate von Nutrias mutet das Bejagen der Nager aber eher wie ein Kampf gegen Windmühlen an. Denn der aus Südamerika stammende Nager kennt keinen Winter und damit auch keinen Winterschlaf. Auch Fressfeinde sind ihm hier fremd.

Deswegen kann sich das Nutria auch über das ganze Jahr vermehren. Dreimal können die Weibchen über ein Jahr verteilt jeweils neun Jungtiere bekommen. Und die sind bereits nach fünf Monaten wieder geschlechtsreif.