Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika. Weil sie Umweltschäden verursachen, möchte die EU ihre Zahl dezimieren. Erstmalig wurden in Deutschland über 100.000 Tiere von Jägern erlegt.

Die eine mag die an Gewässern beheimateten Nagetiere ganz possierlich finden, ein anderer denkt hingegen, dass die oft tropfnassen gelbgezähnten Tierchen abstoßend sind. Und wer in der DDR aufgewachsen ist, hat sie womöglich schon mal als leckeren Sonntagsbraten verspeist.

Bei Nutrias handelt es sich um ein Neozoon. Also um eine Tierart, die sich durch den Einfluss des Menschen in einer Region angesiedelt hat, in der sie ursprünglich nicht vorkam.

Die Nutrias wurden aus Südamerika eingeführt, sind dann ausgewildert worden oder aus der Gefangenschaft ausgebüxt und haben sich über eine Dauer von über 100 Jahren in Mitteleuropa, somit auch in Deutschland, angesiedelt. Hunderttausendfach kommen sie inzwischen hier vor.

"Die Nutrias haben eine ökologische Nische in Deutschland besetzt, die sonst kein heimisches Tier besetzt hatte."
Klaus Hackländer, Wildbiologe und Vorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung
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Nutrias verursachen Schäden an der Uferstruktur, indem sie dort ihre Höhlengänge graben. Im Fall eines Hochwassers wird dieser Boden, der mit Nutria-Gängen durchzogen ist, aufgeweicht, sagt der Wildbiologe Klaus Hackländer. Dadurch können auch Uferbefestigungen und Deichanlagen zerstört werden.

Ökonomische und ökologische Schäden durch Nutrias

Auch Landwirte, die in Wassernähe Ackerbau betreiben, können ökonomische Schäden durch die Nutrias erleiden, die den Boden mit den Gängen, die sie graben, instabil machen.

Und auch für andere Arten können Nutrias zum Problem werden, weil sie die Ufervegetation wegfressen, die anderen Tieren beispielsweise zum Schutz ihrer Nester dient.

"Die Europäische Union möchte gerne, dass wir in Deutschland Nutrias entnehmen. Das ist Juristendeutsch und bedeutet: aus der Population entfernen."
Klaus Hackländer, Wildbiologe und Vorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung

Die EU sieht die Nutrias als gebietsfremde invasive Art an, die "entnommen" werden soll, sagt der Wildbiologe Klaus Hackländer. Das bedeutet, dass ihre Zahl dezimiert werden soll. Die Nutrias in Deutschland komplett aus dem Ökosystem zu entfernen, hält der Wildbiologe angesichts der großen Zahl an Tieren nicht mehr für möglich.

Der Abschuss der Tiere sei immer noch die günstigste und effektivste Variante, sagt der Wildbiologe. Man könnte die Tiere auch fangen und "verbringen", allerdings sei dann die Frage, wohin man sie bringen sollte, sagt er. Oder man könnte sie in Gefangenschaft halten, allerdings verbietet die EU auch die Zucht der Tiere, sagt Klaus Hackländer.

Unfruchtbar machen: aufwendig und nicht effektiv

Die Nager, die bis zu zehn Jahre alt werden können, unfruchtbar zu machen, wäre auch nicht effektiv. Es würde bedeuten, dass es über einen langen Zeitraum weiterhin eine große Zahl an Nutrias gibt, die ökonomische und ökologische Schäden anrichten.

"Gerade in der DDR war das ein sehr beliebtes Fleisch, weil es günstig zu produzieren war."
Klaus Hackländer, Wildbiologe und Vorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung

Schade sei es, dass die Nutria nicht als Ressource genutzt werden, wie es ursprünglich der Fall war, als sie als Pelz- und Fleischlieferant gehalten wurden, sagt Klaus Hackländer.

Es ginge nicht darum, die Tiere flächendeckend zu bekämpfen. Vielmehr sollte man schauen und dokumentieren, wo die Nagetiere tatsächlich große Schäden verursachen, um sie gezielt zu dezimieren.

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