Die Temperaturen steigen, die Inzidenz fällt. Fußballerfolg hin oder her, es scheint eine andere Art von Sommermärchen auf Deutschland zuzukommen: ein Sommer ohne Maske! Forscher halten das – zumindest draußen – für möglich. Begründet wird das mit dem geringen Ansteckungsrisiko da, wo sich Aerosole in der Luft verteilen können.

"Aerosolforscher Christof Asbach ist dafür, die Maskenpflicht zumindest draußen aufzuheben. Für Innenräumen empfiehlt er noch keine Lockerungen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran fasst die Sicht des Wissenschaftlers zusammen

Wunsch nach Feiern ohne Maske

Die Frage, die sich daraus ableitet, ist, inwiefern bald wieder draußen offizielle Partys erlaubt sein werden. Eine politische Entscheidung gibt es hierzu noch nicht. Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, ist aber überzeugt, dass kontrolliertes Feiern unter freiem Himmel sinnvoller, weil weniger gefährlich sei als das Feiern drinnen.

"Wenn man Veranstaltungen draußen auflöst und das dazu führt, dass die Menschen sich dann im Innenraum treffen, wird es ungleich gefährlicher."
Aerosolforscher Christof Asbach

Was bei der Risikobewertung allerdings mit reinspielt, seien zeitliche und räumliche Faktoren: "Gerade wenn viele Leute über einen langen Zeitraum sehr dicht zusammenstehen, ist das Ansteckungsrisiko durchaus gegeben", erklärt Christof Asbach.

Studie: Masken bei Events zeigen eindeutig Wirkung

Dass Veranstaltungen mit mehreren hundert oder tausend Menschen möglich sein können, beweist inzwischen die Fußball-Europameisterschaft. Auch Konzerte und Partys finden in Europa, auch in Deutschland immer mal wieder statt.

"Bei Fußballspielen ohne konsequente Maskenpflicht kam es zu deutlich mehr Infektionen. Wenn es jedoch eine konsequente Maskenpflicht gab, stiegen die Infektionen nicht an."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Erkenntnisse liefert eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der SDU University of Southern Denmark. Die Forschenden untersuchten Fußballbundesligaspiele aus der vergangenen Saison, bei denen Zuschauer erlaubt waren. Insgesamt stellten sie danach einen Anstieg der Infektionsrate um acht Prozent fest.

Allerdings habe es je nach Stadion unterschiedliche Vorgaben gegeben, was das Tragen der Mund-Nasen-Masken angeht. "Manchmal musstest man die Maske immer auflassen, also auch auf dem Platz. Bei anderen Spielen konnte man die Maske zumindest auf dem Rang absetzen." Das habe die Ansteckungssituation stark beeinflusst, so Philipp Breidenbach, einer der Autoren der Studie.

Allerdings, gibt Aerosolforscher Christof Asbach zu bedenken, habe es zum Zeitpunkt der Studie keine so regelmäßigen Coronatests gegeben. Außerdem seien damals in Deutschland noch nicht so viele Menschen zumindest einmal geimpft gewesen. Das seien wesentliche Faktoren, die der Ausbreitung des Virus entgegenwirken.

Mund-Nasen-Maske: gekommen, um zu bleiben

Nichtsdestotrotz, auch wenn die Maskenpflicht tatsächlich irgendwann fällt, auf die eine oder andere Weise wird uns die Maske erhalten bleiben, davon ist Christof Asbach überzeugt. "Da muss man nur an die Grippewelle denken. Wenn Masken auch nur einen Teil der Krankheitsfälle verhindern können, hat es einen immensen volkswirtschaftlichen Nutzen." Aber auch privat, schätzt Christof Asbach, werden viele die Maske aufsetzen, um das Risiko zu minimieren, sich anzustecken.

"Ich kenne das Tragen von Masken aus Vietnam. Aber auch hier habe ich mir oft gedacht: Wenn im Winter alle in der Bahn husten, wäre eine Maske vielleicht gar keine schlechte Idee. Ich persönlich werde sie deswegen auch nach Corona aufsetzen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran