Was kosten Milch, Butter, Käse oder Hackfleisch, wenn wir die Umweltschäden mitrechnen, die entlang der Lieferkette entstehen? Ein Supermarkt in Berlin-Spandau zeigt die Folgekosten auf einem zweiten Schild. Kundinnen und Kunden soll das zum Denken anregen.

Dass viele Lebensmittel ziemlich günstig sind – wie zum Beispiel Fleisch beim Discounter – ist uns ja nicht neu. Was aber macht es mit uns, wenn wir dem realen Preis den "wahren Preis" gegenübergestellt bekommen?

Ein Pennymarkt in Berlin-Spandau macht genau das. Allerdings nur bei einigen ausgewählten Produkten. Ziel sei es, laut Mitteilung, zu zeigen, was Lebensmittel eigentlich kosten müssten, wenn ihre ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette mit in den Verkaufspreis einfließen würden.

Nur wenige KundInnen würden mehr für Lebensmittel zahlen

Der Journalist Robert Ackermann hat sich in diesem Supermarkt umgehört. Manchen Kundinnen sind die unterschiedlichen Preisangaben gar nicht aufgefallen, andere haben gesagt, um diese wahren Preise zahlen zu können, müssten sie auch mehr verdienen. Manche sind auch bereit, mehr zu zahlen. Die Stimmungslage ist also sehr unterschiedlich.

Preisauszeichnung bei Penny. Junger Gouda kostet 1,99 Euro. Die wahren Kosten würden bei 3,74 Euro liegen.
© Robert Ackermann
Preisauszeichnung bei Penny. Junger Gouda kostet 1,99 Euro. Die wahren Kosten würden bei 3,74 Euro liegen.

Wie hoch sind die Preisunterschiede? Der junge Gouda kostet 1,99 Euro, tatsächlich, mit allen Folgekosten einberechnet, wäre er mit 3,74 Euro fast doppelt so teuer. Auf dem Zusatzschild wird der Preis erklärt mit "plus versteckte Zusatzkosten".

Folgekosten unseres Konsums

In diesen Zusatzkosten, aus denen der "wahre Preis" ermittelt wird, sind die Auswirkungen von Stickstoff, Klimagasen, Energie und Landnutzungsänderungen mit eingerechnet. So fasst es Tobias Gaugler zusammen. Er ist Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Augsburg und hat die "wahren Preise" im Auftrag von Penny ausgerechnet.

    "Wir haben zum einen die Klimagase, also CO2, einbezogen, zum anderen Nitrat und Stickstoff, also die Düngemittel-Problematik, zum dritten den direkten und indirekten Energiebedarf und als viertes die Landnutzungsänderung."
    Tobias Gaugler, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Augsburg

    Was in der Berechnung der Uni Augsburg im Auftrag von Penny noch nicht mit im wahren Preis ist, sind zusätzliche Kosten für mehr Tierwohl, also damit die Tiere im Stall ein gutes Leben haben, sowie die Folgen multiresistenter Keime.

    Denkanstoß für KundInnen, aber keine Preisänderung

    Die Forschenden kommen anhand ihrer ausgewählten Lebensmittel zu dem Schluss, dass die Kosten für Lebensmittel eigentlich im Schnitt um 62 Prozent je Kilo höher liegen müssten. Penny will nach eigener Aussage mit diesen Berechnungen die Folgekosten unseres Konsums sichtbar machen. "Nur so können Kunden am Regal entscheiden", heißt es in einer Mitteilung. Und für Penny-Sprecher Andreas Krämer dient das Ganze als Denkanstoß.

    "Wir wollen zeigen: Unser täglicher Konsum hat Folgekosten, die aber nirgendwo transparent sind, aber anfallen."
    Andreas Krämer, Sprecher von Penny

    Bei einem Denkanstoß soll es in dieser Penny-Filiale in Berlin-Spandau aber erstmal bleiben. Kundinnen und Kunden zahlen an der Kasse weiter den normalen, günstigen Preis. Idealerweise entsteht aus der Aktion aber eine Debatte, die über einen Denkanstoß hinausgeht. Zumindest wolle man, laut Penny, zum politischen Dialog anregen.