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Mesut Özil spielt nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft, er will das Trikot des deutschen Teams nicht mehr tragen. Und er rechnet ab mit dem DFB, mit Sponsoren und den Medien.

Drei lange Texte hat Mesut Özil über Twitter verbreitet. Texte, in denen er aufräumt und abrechnet mit den Medien und seinen Sponsoren, mit dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel und vor allem mit Rassismus - im Fußball, im DFB und in Deutschland.

Elmas Topcu hat für Deutschlandfunk Nova nachgefragt
Was sagen Deutsche mit türkischen Wurzeln zum Fall Mesut Özil?

Angefangen hatte es mit einem Foto: Der Nationalspieler posiert gemeinsam mit seinem Kollegen Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Lange hat er dazu geschwiegen, nun rechtfertigt er sich: Er habe das Foto aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes seiner Familie gemacht. Unabhängig von der Person Erdoğans.

"Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre."
Mesut Özil

Özil schreibt, mehrere deutsche Zeitungen hätten sein Foto mit Erdoğan für rechte Propaganda missbraucht. Außerdem kritisiert er Sponsoren, die ihn nach dem Foto nachträglich aus Werbekampagnen entfernt hätten: Und Özil berichtet von Hass-Mails und Drohungen gegen ihn und seine Familie. Als "Türkenschwein" sei er beschimpft worden.

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In den Augen von Grindel und seinen Helfern sei er nur dann Deutscher, wenn die deutsche Nationalmannschaft gewinnt, schreibt Özil in seinem Statement. Sobald sein Team aber verliere und - wie gerade bei der Fußball-Weltmeisterschaft schon nach drei Spielen nach Hause geschickt werde - dann sei er der Immigrant aus der Türkei.

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Ganz konkret und persönlich greift Özil den DFB-Präsidenten an. Özil wirft Reinhard Grindel vor, ihn als Sündenbock benutzt zu haben: Es sei mit Grindel vor der WM abgemacht gewesen, dass der Fußballer sich nicht zum Foto äußere. Dann sei Grindel aber unter Druck geraten und habe Özil vorgeworfen, geschwiegen zu haben. 

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Für seine Aussagen kassiert Özil wieder viel Zuspruch und Kritik:

  • Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht Özils Rücktritt als "Rückschlag für die Integrationsbemühungen in Deutschland über den Fußball hinaus".
  • Bundesjustizministerin Katharina Barley twittert, es sei ein Alarmzeichen, wenn selbst ein großer Fußballer sich in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt fühle.
  • CDU-Politiker Paul Ziemiak wirf Özil Naivität vor, das Erdoğan-Foto könne in Wahlkampf-Zeiten nur politisch verstanden werden.
  • Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül  gratuliert Özil, sein Rücktritt sei ein "Tor gegen das faschistische Virus".
Gespräch mit Jessica Sturmberg, Deutschlandfunk Sportredaktion
"Politisch gibt es einige Reaktionen, die den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel fordern."

Jessica Sturmberg aus der Sportredaktion vom Deutschlandfunk geht davon aus, dass es Konsequenzen für den DFB-Präsidenten geben wird. "Ich glaube, dass aus der Deutschen Fußballliga heraus sehr viel Druck kommen wird", sagt Sturmberg. "Grindel wird früher oder später zurück treten."

Was bereits jetzt klar ist: Der Streit löst eine Integrationsdebatte aus und ist mit diesen ersten Reaktionen definitiv noch nicht zu Ende.

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