Schwarzarbeit, Drogenhandel, Korruption - das alles wäre ohne Bargeld nicht mehr möglich. Doch dann wären wir auch transparent und überwachbar.

Konstruieren wir ein Szenario: Es gibt kein Bargeld mehr, gar keins. Alles wird nur noch digital bezahlt, verbucht von einem Konto aufs andere.

"Das ist zum einen reizvoll", sagt Jochen Hörisch, Professor für Germanistik an der Universität Mannheim. Denn dann könne man alles kontrollieren, es wäre sicher, dass das Geld reinen Ursprungs ist, von keinem Waffenhändler und aus keinem Bankraub stammt. Auch die Kriminalität könne damit eingedämmt werden, denn Schwarzarbeit und Korruption hätten es schwerer. Das Finanzamt würde sich sowieso freuen.

Wir wollen anfassen

Aber! Wenn alle Geldströme nachvollziehbar sind, lebten wir in einer Transparenzgesellschaft, sagt Hörisch. Und jegliche Freiheiten, die wir uns jetzt - teilweise auch illegal - nehmen, wären dahin. Schwarzarbeit wäre abgeschafft, der Gang zur Prostituierten zwar nicht illegal, aber im Zweifelsfall schwer zu rechtfertigen.

Überhaupt glaubt Hörisch: Menschen sind Substantialisten. Sie vertrauen dem Geld mehr, wenn sie die Scheine in der Hand haben. Haptik spiele eine große Rolle - dem Cash wohnt ein "Zauber" inne.