Olga Grjasnowa lernt erst mit elf Jahren Deutsch. Mit 27 veröffentlicht sie ihren ersten Roman. Zwei Jahre später folgt der nächste - beide viel beachtet in den Feuilletons. Olga sagt: "Die Bücher sind die Suche nach etwas, was ich nicht benennen kann."

Eine Redaktionskonferenz mit Kaline Thyroff.

Olga Grjasnowa wird bald 30 - und ist schon eine Schriftstellerin, über die die Feuilleton-Autoren der großen Tageszeitungen schreiben und die so viele Buchrezensionen bei Amazon hat, dass man davon ausgehen muss, dass sich ihre Romane ganz gut verkaufen.

Olga ist in Baku aufgewachsen, der Hauptstadt von Aserbaidschan. 1996 zog ihre Familie nach Deutschland, da war Olga 11 Jahre alt. In Baku waren die 90er-Jahre vom Krieg geprägt. Es gab eine Inflation von 500 Prozent monatlich. "Es war die vollkommende Anarchie", sagt Olga.

Nach der Schule geht Olga für zwei Semester nach Göttingen, studiert dort Polonistik. Dann nach Leipzig, dann nach Warschau, dann nach Moskau, zurück nach Leipzig, dann nach Berlin, dann nach Israel. Nicht nur deshalb haben wir sie in der Überschrift "Die Grenzenlose" genannt. Neben dem ständigen Umziehen sind es auch die Erfahrungen ihrer Kindheit, das Vereinen dreier Kulturen (jüdisch, islamisch, christlich) und die Beschreibungen in ihren Romanen: Heimat, Ehe, Geschlecht, Herkunft, Länder, Beziehung - das ist alles fließend, undefiniert, grenzenlos.

Die Unschärfe einer Ehe

Olga kam eher zufällig zum Schreiben. Sie sagt, sie hätte schon immer gerne geschrieben und sich deshalb beim Deutschen Literaturinstitut beworben - doch nie damit gerechnet, dass sie angenommen wird. Als Bachelorarbeit hat Olga die ersten 80 Seiten ihres ersten Romans "Der Russe ist einer, der Birken liebt" abgegeben, in dem die junge Mascha die Hauptrolle spielt.

"Ich wusste, dass ich über Pogrome an Armenier schreiben wollte. Dann habe ich von Freunden meiner Eltern die Geschichte ihres Sohnes gehört. Es war die Geschichte eines Jungen in Baku, neben dessen Füßen plötzlich eine Leiche aufschlug, die aus dem Fenster fiel. Eine echte Geschichte, die dann zum Motiv der Geschichte von Mascha wurde."
Olga Grjasnowa

Olgas zweiter Roman heißt "Die juristische Unschärfe einer Ehe". Sie erzählt die Geschichte von Leyla und Altay. Beide sind eigentlich homosexuell, führen aber eine Scheinehe, um die Familie ruhigzustellen. Inspiriert wurde Olga für diese Geschichte auch von Ehen aus dem Freundeskreis. Da gibt es nämlich auch einige, die mehr Zweck- als Liebesehe sind.

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