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Einige Athletinnen und Athleten setzten mit Gesten und Abzeichen ein politisches Statement bei den Olympischen Spielen, andere entschieden sich dafür, dies nicht zu tun, weil sie Sanktionen befürchteten. Auch die deutsche Ruderin Carlotta Nwajide hätte gerne ein Zeichen gesetzt.

Während des Ruderwettbewerbs wollte die deutsche Ruderin Carlotta Nwajide eine "Black-Lives-Matters"-Aufschrift tragen. Dafür hätte sie einen Antrag stellen müssen. Aber bereits im Vorfeld sei ihr mitgeteilt worden, dass ein Schriftzug während des Rennens nicht erlaubt sei.

"Am liebsten hätte ich mir während des Rennens einen "Black-Lives-Matter"-Schriftzug auf den Arm gemacht. Ich hätte diesen Antrag stellen müssen, da hieß es von vorne herein, ein Schriftzug sei nicht erlaubt."
Carlotta Nwajide, deutsche Ruderin im Doppel-Vierer der Frauen

Wer gegen eine solche Regel verstoße, wisse auch nicht, wie hoch eine mögliche Strafen ausfallen könnte, erklärt Carlotta Nwajide. Sie hat auf den Schriftzug verzichtet, weil sie durch ihre politische Aktion nicht ihre Team-Athletinnen in Mitleidenschaft ziehen wollte.

Während des Rennens war der Doppel-Vierer der Frauen auf Medaillenkurs, als das Team durch einen Fehler dann aber auf dem 5. Platz landete, sah die Ruderin davon ab, sich bei den nachfolgenden Interviews politisch zu äußern, sagt sie im Interview bei Deutschlandfunk Nova.

Statements nur auf Antrag

Nike Lorenz, die deutsche Hockey-Nationalspielerin, trug eine Regenbogen-farbene Binde am linken Fußgelenk. Sie hatte vorab einen Antrag beim Internationalen Sportverband gestellt, der ihr das Tragen der Binde erlaubt hatte.

"Die deutsche Hockeyspielerin durfte mit einer Regenbogenbinde spielen. Das war ein langer Prozess. Da musste ein Antrag gestellt werden und dann muss der Weltsportverband jeweils entscheiden, ob das in Ordnung ist oder nicht."
Carlotta Nwajide, deutsche Ruderin im Doppel-Vierer der Frauen

Laut der Regel 50.2 des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC) sind politische Äußerungen während der Wettbewerbe und der Siegerehrungen nicht erlaubt. Es gibt Ausnahmen für diese Regel beispielsweise, wenn die Athletinnen und Athleten nach dem Wettkampf Presseinterviews geben, dürfen sie sich auch politisch äußern.

Wer sich nicht an die Regel hält, muss mit Konsequenzen rechnen. Und das gilt nicht nur für den einzelnen Athleten, der sich politisch geäußert hat - auch das Team des Sportlers oder der Sportlerin muss dann möglicherweise für Regelbrüche einer einzelnen Person geradestehen.

IOC setzt Ermittlungen gegen Kugelstoßerin aus

Die US-amerikanische Kugelstoßerin Raven Saunders formte bei der Siegerehrung mit der Silbermedaille ein "X" mit den Armen. Später erklärte sie dazu, dass sie damit ihre Solidarität für unterdrückte Menschen ausdrücken wollte.

Die Silbermedaillen-Gewinnerin muss jetzt nicht mit Sanktionen rechnen. Am 4. August hat IOC-Sprecher Mark Adams der Athletin sei Beileid ausgesprochen, deren Mutter vor Kurzem starb, und und kündigte an, dass das Ermittlungsverfahren gegen die Kugelstoßerin ausgesetzt werde.

Nwajide: Bedarf für Antirassismus-Training bei Entscheidern im DOSB

Zu den rassistischen Äußerungen des Rad-Sportdirektor Patrick Moster sagt Carlotta Nwajide, dass "hier eine ganz klare Linie gezogen werden müsse". Damit sieht sie die Verantwortung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der erst auf Druck von außen Konsequenzen gezogen habe.

"Ich finde es sehr schade, dass erst auf Druck von außen abschließend gehandelt wird."
Carlotta Nwajide zu den rassistischen Äußerungen des Radsport-Trainers Patrick Moster

Personen, die selbst nicht von Rassismus nicht betroffen sind, müssen die Sachlage verstehen, damit schnell Maßnahmen ergriffen werden, sagt Carlotta Nwajide. Aus ihrer Sicht seien nachhaltige Antirassismus-Trainings auch innerhalb des DOSB notwendig, um Personen zu schulen, die solche Entscheidungen treffen müssen, sagt die Ruderin.

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