China soll Influencer*innen beauftragt haben, während den olympischen Spielen positiv über das Land zu berichten. Auch innenpolitisch wird das Sportereignis genutzt.

Das Bild der Olympischen Winterspiele scheint angekratzt. Dem sollen offenbar westliche Influencer*innen entgegenwirken – indem sie das Image Chinas aufbessern. Wie der Guardian berichtet, soll Chinas Generalkonsulat in New York dafür im November 2021 einen Vertrag mit einem PR-Dienstleister unterschrieben haben.

Danach soll der PR-Dienstleiste mit Influencer*innen auf Tiktok, Instagram und Twitch positiv für China werben. In 70 Prozent der generierten Inhalte soll es um die kulturellen Werte und das kulturelle Erbe Chinas gehen: also Bauwerke, historische Schätze oder auch Überlieferungen. Gleichzeitig sollen sie auch das Leben der jungen Chinesinnen und Chinesen in den Metropolen abbilden.

In weiteren 20 Prozent der Social-Media-Inhalte soll es um die positiven Aspekte in der Beziehung zwischen China und den USA gehen. Beginn der Kampagne war der 22. November 2021. Bis zum 13. März, dem Ende der Paralympics, sollen die Influencer*innen jeweils drei bis fünf Clips auf Social Media veröffentlichen, die ihre Zielgruppen ansprechen.

"Natürlich wird in den Clips nicht die Menschenrechtssituation angesprochen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Statt für die Produkte von Unternehmen werben sie also für ein Land – ohne die Kritik an der Menschenrechtssituation zu erwähnen. Der Vorwurf der Manipulation steht im Raum.

Fraglich ist, inwiefern die PR-Aktion Chinas auf Social Media verwerflicher ist als gesponserte Kooperationen mit Unternehmen, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. "Ob Werbung für ungesundes Essen oder ungesundes Abnehmen oder für Konsumzwang insgesamt schädlicher oder perfider ist, als für die Schönheiten der chinesischen Kultur, das ist die Frage."

Er ordnet die Kampagne im Vergleich zu den Kooperationen mit den internationalen Sponsoren der Olympischen Spiele wie Airbnb, Coca-Cola oder auch dem deutschen Versicherer Allianz als Nebensache ein.

Innenpolitische Inszenierung

Während China 2008 noch versucht hat, sich als Weltmacht zu inszenieren, brauche sie das 2022 aufgrund der Veränderungen der weltpolitischen Lage nicht mehr zu tun, erklärt Maximilian Rieger aus der Dlf-Sportredaktion. Den Chinesen sei bewusst, dass sie durch die bekannten Boykotte die Menschen in der westlichen Welt kaum von den Menschenrechtsverletzungen ablenken könnten – versuchen würden sie es dennoch, sagt Maximilian Rieger aus der Dlf-Sportredaktion.

Zudem China nutze den Boykott von Ländern wie die USA, Großbritannien, Australien oder Dänemark innenpolitisch für sich aus. "China kann sagen: Die anderen Länder sind es, die unsere schönen Olympischen Spiele politisieren." Das könne China auch ganz gezielt nutzen, um im eigenen Land Stimmung gegen die USA, einem großen Kontrahenten auf der Weltbühne, zu machen.

Maximilian Rieger, Dlf-Sportreporter
"Das ist paradox, dass China anderen Ländern vorwirft, dass die Spiele politisiert werden, weil China das selbst tut und das auch schon in der Historie immer getan."

China selbst hat beispielsweise die Olympischen Spiele von 1956 bis 1980 boykottiert, weil sie nicht an einer Veranstaltung teilnehmen wollten, bei der ein Team unter dem Namen "Tawain" antritt. Seither müssen die taiwanesischen Sportler und Sportlerinnen unter dem Namen "Chinese Taipeh" antreten und einmarschieren. Dieses Jahr wollten sie sich weigern einzumarschieren, wurden aber vom Olympischen Kommittee dazu gezwungen, sagt Maximilian Rieger.

TV-Inszenierung bei den Olympischen Sommerspielen 2008

Auch die Übertragung der Olympischen Spiele an sich inszeniert die chinesische Regierung – und national anders als nach international. So war es zumindest vor 14 Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Peking: Der dänische Wissenschaftler Stanis Elsborg vom Danish Institute for Sport Studies hat in einer Studie herausgefunden, dass es dabei zwei Fernsehversionen der Eröffnungsfeier gab – eine für das chinesische Publikum und eine für den Rest der Welt.

"Es hat eine Version gegeben, die in die Welt herausgestrahlt wurde und eine Version, die im Staatsfernsehen in China gesendet wurde – und die haben sich unterschieden."
Maximilian Rieger, Dlf-Sportreporter

In der nationalen Version, die vom Staatsfernsehen übertragen wurde, wurde beispielsweise der damalige Partei- und Staatschef Hu Jintao 23 Mal gezeigt, in der internationalen Version nur sieben Mal. Eingeblendet wurde er vor allem als die Teams von Hongkong und Taiwan ins Stadion eingezogen sind – beides Regionen, auf die China einen Anspruch erhebt, die aber mehrheitlich nicht zu China gehören wollen.