Erste Dates sind wunderbar aufregend oder auch superunangenehm. Doch wegen der Corona-Pandemie finden sie vor allem derzeit einfach nicht statt. Nicht so bei Anna. Sie hat sich via Video-Anruf verabredet.

Dieses Kribbeln im Bauch, die Aufregung und die gewisse Erwartungshaltung an das Gegenüber. All diese Gefühle vor einem ersten Date sind wunderbar – aber sie fallen wegen der Corona-Pandemie gerade aus. Denn wenn wir die Selbst-Isolation durchziehen wollen, dann sollten wir vorerst auf klassische Dates verzichten. Anna wollte sich trotzdem verabreden und hat das einfach via Video-Anruf gemacht. Wie das war, erzählt sie in der Ab21.

Anna schminkte sich, zog sich etwas Hübsches an – und blieb dann zu Hause. Denn die Autorin versuchte sich für einen Artikel eine Woche lang im kontaktlosen Dating. Zunächst sei das komisch gewesen, irgendwann habe es sich normaler angefühlt, "aber trotzdem ist es eine konstante Erinnerung daran, dass wir gerade in einer Ausnahmesituation leben."

Dating ohne Date: Wie geht das?

Bereits die ersten Gespräche waren eine kleine Hürde gewesen, erzählt Anna. Viele potenzielle Dates seien auf der Suche nach einem Quarantäne-Freund gewesen und wollten sich "in echt treffen".

"Wenn mich jemand gefragt hat: 'Was hast du heute gemacht?', dann habe ich gesagt: 'Fenster geputzt und jetzt warte ich wieder, bis sie schmutzig werden.'"
Anna, Autorin

Für die Autorin hat die Schwierigkeit darin bestanden, die Menschen ins Boot zu holen, die sich ohnehin schon an Social-Distancing gehalten hätten und das auch bei einem Date für wichtig hielten. Klar machte sie das schon in den ersten Gesprächen. Angebote, sich zu treffen, lehnte sie ab – mit einem Hinweis darauf, dass sie nicht raus geht.

Online-Dating in Corona-Zeiten: Wer will ich sein?

Bei Dates können wir uns immer aussuchen, wer wir sein wollen und welche Seite von uns wir dem Gegenüber zeigen wollen. Bei Dates via Video-Anruf können wir diesen Ausschnitt unseres Ichs noch ein bisschen besser beeinflussen. Das Date bekommt nicht nur unser Äußeres, unser Verhalten und unsere Worte zu sehen, sondern wird, durch den privaten Blick in unsere Wohnung, ganz unvermittelt in unser Leben geworfen.

Anna spielte bei ihren Dates damit. Mal wollte sie intellektuell wirken und zeigte deshalb ihr Bücherregal, ein anderes Mal modisch und rückte deshalb ihre Kleiderstange in den Hintergrund. Eine andere Verabredung schaute der Autorin beim Backen in der Küche zu.

"Ich konnte mir aussuchen, was ich zeigen möchte."
Anna, Autorin

Von "echten" Dates hätten sich die Video-Anruf-Verabredungen kaum unterschieden, resümiert Anna. Denn: Das Gegenüber und die berühmte Chemie dazu sind auch hier entscheidend. Oder wie die Autorin es formuliert: "Es hängt davon ab, ob die dafür zu haben sind, dass man auch ein bisschen Blödsinn macht und Kuchen auf Zoom backt." Wenn das Date bei ihren Aktionen mitgemacht habe, dann sei es richtig gut gewesen, ansonsten habe sie es als unangenehm und schwierig empfunden.

Anna ist mit ihrem Experiment zufrieden: "Es war auch schön, mal wieder was Normales zu machen." Sie hat auch Menschen gedatet, bei denen sie sich vorstellen könnte, sie noch einmal im "echten" Leben kennenzulernen. Denn auch wenn Anna schon einmal etwas vom zu Hause der Dates gesehen hat: "Man weiß halt nicht unbedingt wie eine Person ist, wenn man die nur auf Video-Call kennt und auch nicht, wie die ihre Wohnung noch kurz vorher aufgeräumt haben."

Fakten zu Online-Dating:

  • Im vergangenen Jahr gaben bei einer Umfrage 30 Prozent der Befragten an, Online-Dating zu nutzen oder schon einmal genutzt zu haben.
  • Augen auf beim Online-Dating! Eine weltweite Umfrage ergab: Die Hälfte aller Tinder-Nutzer ist vergeben – ein Drittel sogar verheiratet.
  • Vor allem jüngere Menschen tindern. Dem GlobalWebIndex zufolge sind rund 41 Prozent der befragten Nutzer zwischen 25 und 34 Jahren alt.
  • Laut einer Statistik wurde Tinder im Februar 2020 rund 57.000 Mal im Apple App Store und rund 119.000 Mal im Google Play Store heruntergeladen – nur in Deutschland.