Das Thema haben Eltern und Pädagoginnen lange mit spitzen Fingern angefasst: Digitales Lernen. Das ändert sich jetzt in Zeiten von Corona. Aber neben den technischen Mitteln, braucht es dafür auch durchdachte pädagogische Konzepte. Bildungsjournalist Armin Himmelrath erklärt, was Deutschland von Lettland, Litauen und auch Estland lernen kann.

Wegen des Coronavirus sind Schülerinnen und Studenten zuhause; aber der Lehrplan geht weiter: In Online-Kursen. Digitales Lernen ist dabei weit mehr als das Hochladen von Arbeitsblättern oder das Abfilmen von Vorträgen, erklärt Bildungsjournalist Armin Himmelrath.

Didaktik und Spaß

Aber in Deutschland fehle es oft an Ideen und Konzepten für das digitale Lehren und Lernen. Egal ob Klassenzimmer oder Seminarraum, für das virtuelle Lernumfeld braucht es laut Armin Himmelrath im Wesentlichen folgende Punkte:

  • Anleitung: Der digitale Raum sollte ein Ort der Ideen und des Inputs für die Studierenden sein.
  • Teilnahme: Die Lernprozesse sollten aktives Mitmachen und Einbringen ermöglichen.
  • Zusammenarbeit: Fokus auf das gemeinsame Lösen von Aufgaben.
  • Visuelle Umgebung: Das Layout des Online-Kurses sollte zum Lernen animieren, statt abzulenken. Motivationsanreize können zum Beispiel durch den Einsatz von Gamification, also kleiner Belohnungen, gesetzt werden.

"Wir brauchen etwas, wo es Spaß macht, draufzugehen", fügt er hinzu. Das bedeutet: Das pädagogisch-didaktische Konzept hinter dem virtuellen Lernzimmer müsse an das Klickverhalten der Userinnen und User angepasst werden. Denn Lernen über einen Bildschirm funktioniere anders als im analogen Kursraum.

"Man kann nicht einfach etwas abfilmen und ins Netz stellen. Das funktioniert so nicht. Eigentlich muss man daran denken, dass Leute am Bildschirm anders lernen und anders klicken."
Armin Himmelrath, Bildungsjournalist

Entscheidend für die Motivation der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer ist auch der soziale Kontakt, sagt der Bildungsjournalist. Abseits von der Anwesenheitspflicht bei Tests und Prüfungen seien Gespräche über Alltägliches oder einfach nur miteinander herumalbern wesentlich fürs Weiterlernen.

Öffentliches Leben digitalisieren

Gut gelöst ist das digitale Lernen vor allem in Ländern wie Lettland, Litauen und Estland. Dort sei das gesamte öffentliche Leben digitalisiert, Schulen und Hochschulen inklusive. Ähnlich sehe es in Frankreich aus. Mehr als 100.000 Schülerinnen und Schüler lernen dort online an einer Fern-Schule, so Armin Himmelrath. In Krisenzeiten, wie gerade, könne der Schulunterricht problemlos für mehr Schüler angepasst werden.

"Die Leute sollen nicht an ihrem Schreibtisch versumpfen. Man braucht eine Präsenzveranstaltung ab und zu. Rein im Netz funktioniert nicht."
Armin Himmelrath, Bildungsjournalist

Das Pendant hierzu seien Open-University-Konzepte. Also Hochschulen, die
Veranstaltungen komplett online anbieten wie die Fern-Uni Hagen.
Weitere Beispiele aus Deutschland gebe es kaum. Ist die nötige Technik
da, fehlt es an zündenden Ideen, sagt er. Digitales Lernen sei hier noch
Mangelware.