Wissenschaftliche Studien, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden, sollen laut EU-Ministerrat ab 2020 für alle frei zugänglich sein und das relativ sofort nach Veröffentlichung und kostenlos.

Durch Steuergelder finanzierte Forschung wird derzeit noch von privaten Wissenschaftsverlagen veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen müssen dann von den staatlich finanzierten Bibliotheken wieder mit Steuergeldern gekauft werden. Der Staat zahlt also doppelt. Die EU-Länder haben jetzt entschieden, dass sie dieses absurde System abschaffen wollen.

"Wenn die Öffentlichkeit Forschung bezahlt, muss sie der Öffentlichkeit auch frei zur Verfügung stehen."
Philip Banse, DRadio Wissen

Für die Studenten und Wissenschaftler bedeutet diese Entscheidung einen enormen Fortschritt: Sie kommen in Zukunft viel schneller an neue Forschungsergebnisse. Jeder kann die Texte und Daten viel leichter verbreiten und weitergeben. Zusätzlich sind auch die Texte, auf die über die Fußnoten verwiesen wird, schneller zugänglich. In der EU soll dafür die European Science Cloud eingerichtet werden, wo die gesamten Veröffentlichungen und Daten gespeichert und durchsuchbar werden.

Für die einzelnen EU-Staaten ist die Entscheidung des EU-Ministerrats nicht bindend. Die deutsche Helmholtz-Gemeinschaft mit mehr als 30.000 Forschern hat auf die Entscheidung bereits reagiert und angekündigt, die Ergebnisse der Wissenschaftler spätestens nach sechs Monaten in den Natur- und nach zwölf Monate in den Geisteswissenschaften zur Verfügung zu stellen.

Größere Reichweite und freier Zugang

Wer selbst Arbeiten veröffentlicht, hat durch das neue System ebenfalls Vorteile, denn die Reichweite ist eine größere, als wenn Wissenschaftler nur bei einem der drei großen Wissenschaftsverlage veröffentlicht. Die Verlage müssen in Zukunft dann auch die Forschungsergebnisse frei zugänglich machen.

Geldhahn der Verlage wird zugedreht

Für die Verlage ist die Entscheidung ein herber Schlag. Sie haben von der staatlich finanzierten Forschung profitiert, deren Ergebnisse sie umsonst publizieren konnten, um dann für die Veröffentlichungen Geld von den Unis zu kassieren. Viele Abos von Fachmagazinen kosten mehrere tausend Euro im Jahr. Beispielsweise gibt die Eidgenössische-technische Hochschule in Zürich für Zeitschriften, E-Books und Datenbanken der drei großen Verlage Elsevier, Wiley und Springer rund sieben Millionen Euro pro Jahr aus.

Mehr über die Entscheidung des EU-Minsterrats: