Fast 16 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September ist ein weiteres Opfer identifiziert worden. Die Analyse von über 20.000 menschlichen Kleinstfragementen ist eine komplizierte Feinstarbeit.

Mehr als tausend Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 konnten bisher nicht identifiziert werden. Zum Teil gibt es nur geringe Spuren von Erbmaterial in der Masse der Überreste der Opfer. Zum ersten Mal seit zwei Jahren konnte nun ein Mann unter den Opfern identifiziert werden - fast 16 Jahre nach dem Anschlag.

Forensiker und Kriminalbiologe Mark Benecke arbeitete selbst kurz nach dem Anschlag in einem der Labore, die solche DNA-Analysen vornehmen. Er weiß, was die Identifizierung so schwierig macht und warum es dennoch Fortschritte gibt.

Spuren, verschwunden im Chaos

Die Ausgangslage ist kompliziert: Mit dem Einsturz des World Trade Centers sind große Mengen Beton und Stahl in Schutt und Asche gelegt worden. So sind die meisten menschlichen Spuren lediglich Knochensplitter. "Das Problem ist weniger die Hitze, sondern vor allem dass Stein, Eisen und Beton aufeinander krachten." 

Das Ergebnis: stark zerkleinerte Bauschutt, darin verborgen feinste Spuren der Opfer. Der Schutt wurde nicht nur mit Lastern, sondern auch mit Schiffen abtransportiert, Metallteile wurden auch direkt nach Asien weiterverschifft, erklärt Mark Benecke.

"Es war ein Riesenchaos. Die Spuren sind teilweise einfach abtransportiert und vernichtet worden, weil man sonst heute immer noch diese riesige Schutthalde hätte."
Mark Benecke, Forensiker und Kriminalbiologe

Insgesamt 21.900 menschliche Fragemente wurden und werden untersucht. "Es ist wirklich knifflig", sagt Mark Benecke. Und sehr viele Spuren seien schon jetzt verloren. Um überhaupt Informationen gewinnen zu können, werden spezielle Methoden verwendet. Beispielsweise Knochen entkalkt, so werden sie zu einer eher gummiartigen Masse. Auch im aktuellen Fall wurde die Extrahierung der DNA weiter verfeinert.

"Wenn man solche Sondertechniken anwenden will, dann braucht das Zeit und Gefäße und Flüssigkeiten und Leute und Papier. So hat man das wahrscheinlich irgendwann zu den Akten gelegt."
Mark Benecke, Forensiker und Kriminalbiologe

Die Analyse ist auch durch eine umfassende Software-Unterstützung sehr aufwändig, da sehr viele Merkmale mit der bereits ermittelten DNA und den abgegebenen Proben von Verwandten abgeglichen werden müssen.

Viel zu tun für Forensiker-Task-Force

Dass die Identifizierung so langsam vorangeht, liegt nach Mark Benecke aber auch an den Strukturen. "Man muss dazu wissen, dass die Rechtsmedizin New York eine städtische Einrichtung ist." Das heißt: Die Analysen zum 11. September erfolgen zum Teil zusätzlich zum forensischen Tagesgeschäft der Millionenstadt New York. "Da war zwar schon viel Geld investiert worden. Aber irgendwann vertrocknet auch diese Geldquelle." 

"Ich denke aber, dass die Chancen sehr gut sind, wenn man ein kleines Team zusammenstellt, das Zugang zum Gerätepark hat - dann kommt nach und nach immer mehr zum Vorschein."
Mark Benecke, Forensiker und Kriminalbiologe