Die Organe in unserem Körper haben ihren ganz eigenen Lebenszyklus. Viele von ihnen erneuern sich regelmäßig, damit wir weiter fit bleiben. Manche werden sogar nie älter als wenige Tage.

Unsere Leber bleibt unser ganzes Leben lang immer jung. Zu dem Ergebnis kommen Forschende der Technischen Uni Dresden in einer Studie. Das liegt an den Leberzellen, die sich ziemlich schnell erneuern. Durchschnittlich ist unsere Leber dadurch jünger als drei Jahre – und das auch, wenn wir alt sind. Die Zellen teilen sich einfach immer wieder und bilden neues Gewebe.

Die Leber ist eins von vielen Organen unseres Körpers, die jünger sind als wir. Bei der Haut ist es ähnlich. Sie hat zwar einige sehr langlebige Zellen, vieles bei ihr tauscht sich aber auch schnell aus. Da sind zum Beispiel Hautzellen, die nach ungefähr zwei bis fünf Wochen absterben und von uns abfallen. Damit gibt es Teile unserer Haut, die – grob ausgedrückt – jeden Monat neu sind.

Erneuern wegen Verschleiß

Noch schneller ist der Verdauungstrakt. Die Magenschleimhaut erneuert sich nach etwa einer Woche vollständig, die Zellen im Dünndarm werden innerhalb weniger Tage durch neue ersetzt. Bei ihnen ist der Verschleiß besonders groß.

Diese oberen Schichten im Magen und im Darm sind stark beansprucht, weil sie mit unserem Essen direkt in Kontakt kommen. Weil es dadurch potenziell oft zu Schäden kommen kann, muss sich der Verdauungstrakt andauernd erneuern, sagt Molekularbiologe Martin Hetze. Er forscht am Salk Institute in Kalifornien, wie Zellen in unserem Körper altern und erneuert werden.

"Der Verdauungstrakt ist ein System, das sich kontinuierlich erneuern muss."
Martin Hetze, Molekularbiologe, Salk Institute for Biological Studies

Unsere Knochen lassen es hingegen vergleichsweise langsam angehen. Nach ungefähr zehn Jahren haben wir ein zum großen Teil neues Skelett. Bei allen, die sich viel bewegen, verläuft dieser Prozess wahrscheinlich schneller, so der Molekularbiologe, weil die Knochen dann eher verschlissen sind und sich entsprechend erneuern müssen.

Herz und Hirn: mit Altem viel leisten

Verschleiß interessiert unser Herz weniger, obwohl es über die Dauer unseres Lebens Milliarden Mal schlägt. "Die Zellen, die den Großteil des Herzens ausmachen, sind erstaunlicherweise extrem langlebig", sagt Martin Hetze.

"Sie erneuern sich nach einigen Studien über die ganze Lebensdauer eines Menschen ungefähr nur zu 50 Prozent." Die andere Hälfte der Herzmuskelzellen ist dann tatsächlich so alt wie wir. Warum sie so lange gut arbeiten können, darauf hat die Wissenschaft bisher keine Antwort.

"Viele Zellen im Gehirn sind letztlich so alt wie wir."
Martin Hetze, Molekularbiologe, Salk Institute for Biological Studies

Auch in unserem Gehirn sind viele Zellen so alt wie wir. Bestimmte Zellen erneuern sich zwar alle vier Jahre. Unsere Nervenzellen bleiben aber wie sie sind. Martin Hetz geht davon aus, dass das etwas mit unserer Erinnerung zu tun hat.

Mit unseren immer gleichen Nervenzellen kann der Körper quasi sicherstellen, dass wir Erinnerungen lange abspeichern. Das bedeutet aber auch, dass unser Körper beschädigte Nervenzellen nicht ersetzen kann. Deshalb sind Krankheiten, bei denen Nervenzellen absterben, wie bei Alzheimer, auch so schwer behandelbar.

Bei den Reparaturen unserer Organe passieren aber auch Fehler, vor allem im Alter. Dann funktioniert das Regenerationssystem nur noch schlecht. Gleichzeitig zeigen unsere Organe, wie der Tod zum Leben dazugehört – damit eben auch Neues entstehen kann.