Dass es in Deutschland wenig Spenderorgane gibt, liegt nicht wie oft gedacht an der mangelnden Spenderbereitschaft, sondern vor allem an den Abläufen in den Krankenhäusern. Manche Kliniken melden potentielle Organspender nur unzureichend.

In den Niederlanden soll ein Gesetz ab 2020 dafür sorgen, dass jeder Bürger auch potenzieller Organspender ist – wenn er nicht ausdrücklich widersprochen hat. 

Wir haben in unseren Nachrichten darüber berichtet. Die Hoffnung: Mehr Spenderorgane, die kranken Menschen transplantiert werden können. Auch in Deutschland wird diskutiert, ob diese Widerspruchsregelung (Opt-Out) nicht auch sinnvoll wäre.

Krankenhäuser melden Organspender unzureichend

In Deutschland hat die Zahl der Organspenden ein 20-Jahres-Tief erreicht. Darauf macht die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) aufmerksam. Als Grund wird häufig angeführt, dass wir der Organspende ausdrücklich auf dem Organspendeausweis zustimmen müssen. Wer sich also nicht aktiv dafür entscheidet, der hat sich, ohne etwas zu tun, schon dagegen entschieden.

Problem sind aber auch die Krankenhäuser, weil sie potentielle Organspender nur unzureichend melden.

"Bei den Kliniken gibt es Transplantationsbeauftragte. Es hängt offenbar stark von deren Stellung ab, ob Organe vermittel werden."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Unsere Reporterin Verena von Keitz sagt, dass in Deutschland 10.000 Menschen auf auf Niere, Leber, Lunge, Herz, Pankreas und Dünndarm warten. Im Jahr 2017 sind in Deutschland knapp 800 hirntoten Menschen insgesamt rund 2600 Organe entnommen worden. Das ist etwa ein Viertel des Bedarfs an Spenderorganen.

Diesem Bedarf stehen ernüchternde Zahlen aus den Krankenhäusern gegenüber, die Organentnahmen für Transplantationen vornehmen dürfen. 165 von 1260 Kliniken haben in den vergangenen neun Jahren keine einzige Meldung gemacht, berichtete der Focus

Bei den Beauftragten für Organtransplantation in den Kliniken gibt es allerdings eine gute Nachricht. In Bayern ist gesetzlich festgelegt, dass Mediziner für diese Aufgabe freigestellt werden.

"Bayern hat vorbildhaft gesagt, die Transplantationsbeauftragten brauchen eine ganz klar geregelte Freistellung."
Axel Rahmel, Deutsche Stiftung Organtransplantation

Zusätzlich kooperieren mehrere Länder bei der Organspende. Deutschland ist zusammen mit sieben anderen europäischen Ländern in einem Transplantationsverbund, der Eurotransplant heißt. In diesem Verband werden Spenderorgane über die Grenzen hinweg nach Bedarf verteilt. Die Spenderorgane werden in einem Pool gesammelt und dann in verschiedenen Ländern entsprechend der internationalen Warteliste transplantiert.

Unterm Strich hat Deutschland im Jahr 2017 insgesamt 171 Organe mehr aus diesem Pool bekommen, als es zugeliefert hat.

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