Nach Schätzungen des WWF gehen in der Ostsee jährlich 10.000 Netze verloren. Weltweit besteht ein Zehntel des Kunststoffmülls der Meere aus Geisternetzen. Bis zu 400 Jahre dauert es, bis sie abgebaut sind. In einem Pilotprojekt birgt die Naturschutzorganisation jetzt Geisternetze aus der Ostsee.

Immer wieder wurde mit verschiedenen Projekten versucht, Geisternetze aus dem Meer zu holen, die zur Gefahr für Meerestiere werden können. Größte Schwierigkeit dabei ist, die Netze auf dem Meeresboden zu finden. Die Naturschutzorganisation WWF hat nun das Projekt "Netzharke" in der Ostsee gestartet. Mithilfe einer Harke, die mehrere Zinken hat, werden die Geisternetze am Meeresboden aufgenommen und aus dem Meer gezogen.

Die erste Bergungsfahrt am 13. Juli 2016 verlief erfolgreich: Ein großes Schleppnetz und Stellnetzreste mit einem Gewicht von etwa 1,5 Tonnen wurden vom Grund der Ostsee vor Rügen gehoben. Mit dabei war Gabriele Dederer, die bei der Naturschutzorganisation Referentin für das Projekt "Geisternetze" ist.

"Die Harke nutzen wir für Flächen, wo wir stark davon ausgehen, dass dort Netze liegen."
Gabriele Dederer, WWF

Gabriele Dederer erklärt, dass vor der Bergungsfahrt erst geklärt werden muss, welche Fläche sich dafür überhaupt eignet. Dabei arbeitet die Naturschutzorganisation eng mit den Fischern vor Ort zusammen, die aus eigener Erfahrung berichten können, wo entweder eigene Netze oder die anderer Fischer verloren gegangen sind. Abgeklärt werden muss die Fahrt auch mit der Fischereibehörde und dem Denkmalamt.

Die Egge wird von einem Kutter über den Meeresboden geschleppt, erklärt Gabriele Dederer. Sie ist in einem Dreieck aufgebaut, am Kopf der Egge befinden sich Bälle, so dass die Egge über den Boden rollt. Am Ende sind zwei Harken, die mit mehreren Zinken versehen sind, die in den Boden eindringen und die Netze aufnehmen.

Netzmüll am Meeresboden

Am Meeresboden befinden sich verschiedene Geisternetze: Manche liegen schon seit vielen Jahren am Meeresboden und sind in sich zusammengefallen. Darin verfangen sich zwar weniger Fische, dafür ist es aber einfach Kunststoffmüll, der dort nicht hingehört. Stellnetze aus sehr feinem Nylonmaterial fangen nach wie vor Fische. Hinzu kommt, dass sie 400 bis 600 Jahre brauchen, bis sie abgebaut sind. Insofern sammeln sich dann über die Jahre sehr viele Netze am Meeresboden an, erklärt Gabriele Dederer.

Verlässliche Daten gäbe es aber über die Geisternetze derzeit nicht, sagt die Naturschutzexpertin, das soll sich mit dem Projekt "Netzharke" ändern. Bislang gibt es nur Schätzungen, die schwedische Experten für den WWF erstellt haben. Zusätzlich haben die polnischen Naturschutzexperten im vergangenen Jahr 270 Tonnen Netze vor der polnischen Küste geborgen.

Mehr Hilfe oder mehr Schaden?

Das Pilotprojekt wird nur dort durchgeführt, wo bereits Schleppnetze im Einsatz sind und der Boden schon beeinträchtigt ist, sagt Gabriele Dederer. Parallel hat der WWF eine Umweltverträglichkeitsstudie in Auftrag gegeben, die bis nächstes Jahr fertig gestellt sein soll. Die Studie soll zeigen, inwieweit das Verfahren dem Meeresboden schadet und inwieweit es der Meeresumwelt durch das Entfernen der Netze hilft.

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